Interdiskursive Revisionen des ästhetischen Wissens im Licht des Verhältnisses von Geistes- und Naturwissenschaften: Fokus 19. Jahrhundert

  1. Projektbeschreibung
  2. Publikationen

gefördert mit Mitteln der DFG 2001-2005
Leitung: Hilmar Frank, Marie Guthmüller, Wolfgang Klein, Waltraud Naumann-Beyer

Forschungsgegenstand des Projekts ist das ästhetische Wissen in der Mehrzahl seiner praktischen und theoretischen Formen. Die Analyse gilt einem Wissensfeld, in dem Natur- und Geisteswissenschaften im doppelten Wortsinn von Kampf und Verbindung "aufeinandertreffen". Der zeitliche Fokus ist das 19. Jahrhundert - eher zum Ende als zum Anfang hin; damit steht dieses Projekt in sachlicher Verbindung mit jenen Forschungen am ZfL, die den Konstellationen in der Trennungsgeschichte von Natur- und Geisteswissenschaften um 1900 nachgehen.

Das Projekt gliedert sich in drei Teile, die an ihre spezifischen Untersuchungsgegenstände die gemeinsame Frage richten, auf welche Weise die heterogenen Diskurspartikel, Theoreme und Methoden im Raum des ästhetischen Wissens interagieren. Gemeinsam orientieren sich die Projekt-Teile an der begründeten Vermutung, daß das ästhetische Wissen die bis 1900 vollzogene Ausdifferenzierung der Disziplinen konterkariert oder anders "rastert".

Im ersten Teil befaßt sich das Projekt mit den Überkreuzungen von Metaphysik und Naturwissenschaft innerhalb der bildkünstlerischen Reflexion zwischen 1750 und 1900; ihnen wird mit Blick auf das konfliktuöse und kooperative Verhältnis von Ideal und Empirie, von tradierten kunsttheoretischen Prädispositionen und modernen szientifischen (statistischen, induktiven, experimentellen, messenden usw.) Verfahren nachgefragt.

Der zweite Teil untersucht die empirische und experimentelle Ästhetik des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die als ein disziplinärer Zwischen-Raum angesehen wird. Um die (verborgene) Interaktion von Normen und Wertungen schönheitsmetaphysischer Provenienz mit den Verfahren und Erkenntnissen der physio-psychologischen "Leitwissenschaften" aufzuzeigen, wird die wirkungsästhetische Wendung der Ästhetik "von unten" auf die Wahrnehmung des Rezipienten analysiert.

Der dritte Teil thematisiert das Zusammentreffen des medizinisch-neuropathologischen Diskurses mit tradierten ästhetischen Vorgaben im Bereich der französischen Literatur- und Kunstkritik. Dargestellt werden die "Naturalisierung" der Kunstkritik in der critique scientifique (H. Taine) und der psychologisch-physiologische Zugriff auf den Autor sowie die damit verbundene psychopathologische Transformation des Geniediskurses. Unter Einbeziehung spanischer Zeitschriften wird die Untersuchung durch die Analyse des Wandels von kunstkritischen Wertungsbegriffen ergänzt, deren politische und soziale Intentionen mit naturwissenschaftlich determinierten Wertkriterien (z. B. des Normalitäts- und Dekadenzdiskurses) konfligieren.

Publikationen

Ästhetik von unten
Empirie und ästhetisches Wissen

Verlag: A. Francke Verlag, Tübingen/Basel, 2006
458 Seiten
ISBN: 3-7720-8121-5

Weitere Informationen


LiteraturForschung-Buchreihe
Aussichten ins Unermeßliche
Perspektivität und Sinnoffenheit bei Caspar David Friedrich

Verlag: Akademie Verlag, Berlin, 2004
245 Seiten
ISBN: 978-3-05-003689-2

Weitere Informationen



weitere Monographien:

  • Marie Guthmüller: Der Kampf um den Autor. Abgrenzungen und Interaktionen zwischen französischer Literaturkritik und Psychophysiologie 1858-1910, Tübingen/Basel: Francke 2007, 417 S. (Dissertation Osnabrück 2007)
  • Waltraud Naumann-Beyer: Anatomie der Sinne im Spiegel von Philosophie, Ästhetik, Literatur. Köln 2003


Aufsätze, Artikel:

  • Hilmar Frank: Noch mehr als Natur? Zu LawickMüllers "perfectly SUPERnatural", in: Trajekte 3 (2003), 6, S. 14-17.

Vorträge:

  • Hilmar Frank: Gestalt, Bewegung, Leben. Zur geognostischen Landschaftsmalerei. Hamburger Kunsthalle, Januar 2003.