Afrika – Europa. Transporte, Übersetzungen, Migrationen des Literarischen
gefördert durch die VolkswagenStiftung 2002–2005
Leitung: Susan Arndt, Dirk Naguschewski, Robert Stockhammer
Gastwissenschaftler:
Elleke Boehmer, Alexie Tcheuyap, Jean-Marie Teno
Das Forschungsprojekt untersucht die wechselseitigen,
aber asymmetrischen Beziehungen der Literaturen in Afrika zu denjenigen
Europas, ausgehend von dem Sachverhalt, daß afrikanische Literaturen
noch immer - allen Bestrebungen zum Schreiben in Gikuyu, Wolof oder
Xhosa zum Trotz - zum weit überwiegenden Teil in lateinischer Schrift
und in den Sprachen der früheren Kolonialmächte geschrieben werden:
Französisch, Englisch und Portugiesisch.
Das Projekt setzt den
Akzent auf die Formierung der Literatur inverschiedenen Dimensionen des
Transports: medial, material, personal. Es verbindet bewußt eine
transkulturelle (Wechselbeziehungen reflektierende) mit einer
komparatistischen Ausrichtung. Komparatistisch verfährt das Projekt
nicht nur im Sinne der Vergleichenden Literaturwissenschaft,
insofern es vor allem die anglo- und frankophonen Literaturen in Afrika
gleichermaßen berücksichtigt, die andernorts zumeist entlang der Grenzen
der europäischen Nationalphilologien getrennt werden. Überdies sind
Fragestellungen der Allgemeinen Literaturwissenschaft zentral
für das Projekt, das auf der Grundlage literaturtheoretischer
Reflexionen Entwicklungen der Weltliteratur untersucht, für welche die
afrikanische Situation möglicherweise ein besonders sensibler
Seismograph ist. Paradigmatisch dafür sind die Probleme und spezifischen
Möglichkeiten beim Schreiben in einer Zweitsprache: Was für
afrikanische AutorInnen der 'Normalfall' ist, betrifft doch auch eine
wachsende Zahl von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, die etwa in
deutschsprachigen Ländern leben und für die Deutsch gleichwohl weder die
erste noch die einzige Sprache ist. Der deutsche Standort des Projekts
erfährt in mehrfacher Hinsicht Berücksichtigung: Zum einen begleiten und
unterstützen seine Mitglieder die Rezeption afrikanischer Literaturen
in Deutschland durch Beiträge in überregionalen Feuilletons und
Moderationen bei öffentlichen Lesungen. Zum anderen entstand im Rahmen
des Projekts eine monographische Studie (Robert Stockhammer) zum
Schreiben über den Genozid in Ruanda, wo Deutschland die erste
Kolonialmacht war und wo ein deutsches Geschichtsereignis, der
Holocaust, die Aufarbeitung dieses anderen Genozids entscheidend
mitprägt. Susan Arndt schreibt an einer Monographie über Konzeptionen von Weiß-Sein der Literaturen aus und über Afrika.
Dieses Projekt bewegt sich im Rahmen der von Toni Morrison und bell
hooks Anfang der 1990er Jahre angeregten literaturwissenschaftlichen
Critical Whiteness Studies. Ausgehend von einer Auseinandersetzung mit
Weiß-Sein als dynamischem und komplexen Konstrukt, werden literarische
Markierungen und Konzepte von Weißsein in komparatistischer Perspektive
betrachtet. Im Rahmen dieses Themenfeldes wird zudem ein
Forschungskolloquium veranstaltet sowie ein Sammelband zum Thema mit
herausgegeben: Das Ding mit dem Subjekt. In Deutschland angekommen? Critical Whiteness in Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft.
Eine weitere Monographie entsteht zum Transport des Literarischen in
das Medium des Films in Afrika (Dirk Naguschewski). Hierbei geht es
nicht nur um die Untersuchungspezifischer Gestaltungsweisen von Stoffen
in den beiden Medien, die sowohl afrikanischen Traditionen als auch der
europäischen Literaturtradition entstammen. Ebenso wichtig ist eine
Diskussion desStandorts von Literatur und Film im Kontext einer nach wie
vorundifferenziert wahrgenommenen afrikanischen Kultur. Gerade der Film
ist aufgrund seiner Abhängigkeit von technischen Apparaturen ja
einerseits als dezidiert 'europäisch' konnotiert, andererseits aber
aufgrund seiner Bildhaftigkeit auch über Sprachgrenzen hinweg
verstehbar. Nicht umsonst etablieren sich viele Schriftsteller zugleich
als Filmemacher, um auf diesem Wege weltweit Öffentlichkeit(en) zu
gewinnen.
Publikationen
LiteraturForschung Bd. 3
Exophonie
Anders-Sprachigkeit (in) der Literatur
Verlag: Kulturverlag Kadmos, Berlin, 2007
302 Seiten
ISBN: 978-3-86599-024-2
Weitere Informationen
Ruanda
Über einen anderen Genozid schreiben
Verlag: edition suhrkamp, Frankfurt a.M., 2005
187 Seiten
ISBN: 978-3-518-12398-0
Weitere Informationen
Robert Stockhammer
- Africa Without a Hyphen: A Tour through Paris' Exhibitions of the Primal Arts. In: Matatu. Journal for African Culture and Society 25/26 (2002): 243-248.
- Im Kolonialwarenladen. Eine Berliner Tagung über afrikanische Literaturen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.5.2002: 47.
- Afrikas Stimme. Zum Werk des Friedenspreisträgers Chinua Achebe. In: SüddeutscheZeitung, 12./13.10.2002: 14.
- Grenzen-Schmuggel. Der Forschungsschwerpunkt III, 'Andere Moderne(n)'. In: Trajekte 5 (2002): 35-39 [enthält eine Kurzbeschreibung des Projekts sowie seines Ortes im Zusammenhang des Zentrums für Literaturforschung].
- Der erhellende Kontinent. In: Rheinischer Merkur 17/2003: 21 [Sammelrez. zu Neuerscheinungen zum deutschen Kolonialismus in Afrika].
- Vom Grauen erzählen. In: Rheinischer Merkur,2.9.2004: 22 [Sammelrez. zu Neuerscheinungen über den Genozid in Ruanda].
Susan Arndt
- Jemand muss eine andere Geschichte schreiben. Der Schriftsteller Chinua Achebe wird am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandelsausgezeichnet. In: Die Welt 12.10. 2002:28.
- Afrikanischer Feminismus/afrikanisch-feministische Literatur, Rasse und Gender, Rassismus. In: Renate Kroll, Hg.: Metzler Lexikon Gender Studies. Stuttgart: Metzler 2002:4-6, 330-331, 331-332.
- Perspectives on African Feminism. Definingand Classifying African-Feminist Literatures. in:Agenda. Empowering Women for Gender Equity. African FeminismsTwo 54 (2002): 31-44.
- Weiß-Sein als Konstruktion des Rassismus und als Kategorie. In: Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre. Berliner Programm. Beiträge. Berlin 2002: 169-178.
- GrenzenlosesWeiß-Sein. Weiß-Sein ohne Grenzen? Konzeptionen von Weiß-Sein und Feminismus in der afrikanisch-feministischen Literatur. In: Eva Lezzi, Monika Ehlers & Sandra Schramm, Hg.: Fremdes Begehren. Repräsentationsformen transkultureller Beziehungen. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2003: 107-120.
- Weiß-Sein, Roland Barthes la vaccine und die afrikanisch-feministischeLiteratur. In: Chancengleichheit für Frauen in Forschungund Lehre. Berliner Programm. Beiträge. Berlin.
- Kolonialistische Mythen und Weiß-Sein. Rassismus in der deutschen Afrikaterminologie. In: AntiDiskriminierungsBüro (ADB) Köln von 'Öffentlichkeit gegen Gewalt' (ÖgG) e.V. & cyberNomads (cbN) Berlin, Hg.:The Black Book. Deutschlands Häutungen. Frankfurt a.M.: IKO -Verlag für interkulturelle Kommunikation 2004: 91-115.
- Susan Arndt & Antje Hornscheidt, Hg.: Afrika und die deutsche Sprache. Ein Kritisches Nachschlagewerk. Münster: Unrast Verlag 2004; darin 'Worte können sein wie winzige Arsendosen. Rassismus in Gesellschaft und Sprache' (11-95), Begriffseinträge zu 'Bastard' (90-95), 'Eingeborene' (116-118), 'Ethnie' (Ko-autorin, 124-127), 'Häuptling' (142-146), 'Mischling' (Ko-Autorin 164-167), 'Mohr' (168-172), 'Mulatte' (Ko-Autorin 173-175), 'Neger' (184-189), 'Rasse' (197-203), 'Stamm' (213-218). You are not born White, you become White. Conceptions of Whiteness and Africa in German Society and Literature. In: Robert Cancel & Winnifried Woodhull, Hg., Trenton, Asmara: Africa World Press [im Druck]. Boundless Whiteness. Whiteness Without Boundaries? Feminism andWhite Women in the Mirror of African Feminism and African-Feminist Literature. In: Dirk Naguschewski & Flora Veit-Wild, Hg.:Gender and Sexuality in African Literatures. Amsterdam: Rodopi [im Druck].
- Susan Arndt & Marek Spitczok von Brisinski, Hg.:Colonialism, Racism and Migration. Versions and Subversions inAfrican Literatures. Amsterdam: Rodopi; darin 'Introduction: Racism, Exile und Whiteness' und 'Beyond the Boundaries ofIdentities and Differences. The Dynamic Relationship of 'Race' and Gender in African Literatures' [im Druck].
Dirk Naguschewski
- 'Subversionen. Afrika-Literatur in Berlin. In: Frankfurter Rundschau, 14.5.2002: 26.
- The Short Century in Berlin. Notes on an Exhibition', In: Matatu. Journal for African Culture and Society 25/26 (2002): 261-264.
- Bessora, Alain Mabanckou, Boniface Mongo-Mboussa, Abdelwahab Meddeb. In: Ulrich Schreiber, Hg.: 2. internationales literaturfestival berlin. Berlin: Vorwerk 8 2002: 20/21, 80/81,92/93, 234/235.
- (mit Tobias Döring) Senghor und Soyinka: Sprachenfresser und Mythenmacher im postkolonialen Afrika. In: Andrew James Johnston & Ulrike Schneider, Hg.: Anglo-romanische Kulturkontakte von Humanismus bis Postkolonialismus. Berlin: Dahlem University Press 2002: 215-245.
- Muttersprache als Bekenntnis? Bemerkungen zum Französischen in Afrika. In: Grenzgänge 19, 2003: 130-138.
- Mohammed Bennis, Achmat Dangor, Leila Marouane, Lewis Nkosi, Hanif Kureishi, Abdelwahab Meddeb. In: Ulrich Schreiber, Hg.:3. internationales literaturfestival berlin. Berlin: Vorwerk 82003: 14/15, 22/23, 44/45, 54/55, 118/119, 122/123.
- Blick zurück in die Kindheit. In: Frankfurter Rundschau,21. Aug. 2003: 12 [Rezension zu Mongo Beti: Besuch in Kala oder Wie ich eine Braut einfing, und Wole Soyinka: Aké, Jahre der Kindheit].
- Tod eines Kinos. Moribunde Kinokultur in Senegal. In: Neue Zürcher Zeitung, 23. Jan. 2004:37.
- Josef Gugler: African Film. Re-imagining a Continent. Oxford: James Currey, 2003. In: H-Soz-u-Kult, H-Net Reviews, Feb. 2004 [Rezension]
- . Reading Foreign Films: African Images and the German Audience. In: Petra Stegmann & Peter C. Seel, Hg.:Migrating Images: producing ... reading ... transporting... translating. Berlin: Haus der Kulturen der Welt, 78-93.
- Afro-deutsches. Zu Gedichten von May Ayim. In: Weltengarten. Deutsch-Afrikanisches Jahrbuch für Interkulturelles Denken 2004: 135-143.
- [mit Susan Chales de Beaulieu] Wole Soyinka zum 70. Geburtstag [Film, 7'20 min], Metropolis, Arte, 3.7.2004.
Übersetzungen
- Bessora: Von der Weltlichkeit in der kirchlichen Regierungszeit.... In: Ulrich Schreiber, Hg.: 2. internationales literaturfestival berlin. Berlin: Vorwerk 8 2002: 23. [Auszug aus Bessora: 53cm. Paris: Le Serpent à Plumes, 1999]
- Boniface Mongo-Mboussa: AmNullpunkt des Exils. In: Ulrich Schreiber, Hg.:2. internationales literaturfestival berlin. Berlin: Vorwerk 82002: 95. [Auszug aus: Boniface Mongo-Mboussa: Désir d'Afrique. Paris: Gallimard, 2001]
Veranstaltungen
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07.10.2002
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31.01. –
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Workshop
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21.11. –
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Workshop
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13.01. –
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02.05.2005
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Kleine Werkschau des Filmemachers Jean-Marie Teno (Kamerun)
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05.05.2005
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Kleine Werkschau des Filmemachers Jean-Marie Teno (Kamerun)
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05.05.2005
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Kleine Werkschau des Filmemachers Jean-Marie Teno (Kamerun)
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06.05.2005
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Kleine Werkschau des Filmemachers Jean-Marie Teno (Kamerun)
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07.05.2005
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Kleine Werkschau des Filmemachers Jean-Marie Teno (Kamerun)
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11.05.2005
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Kleine Werkschau des Filmemachers Jean-Marie Teno (Kamerun)
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12.05.2005
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Kleine Werkschau des Filmemachers Jean-Marie Teno (Kamerun)
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12.07.2006
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Pressestimmen
Exophonie (01.03.2010)
Rezension von Reine Meylaerts, in: Translation Studies, 3:1


