Workshop
05 Jul 2019 – 06 Jul 2019

Ideologie. Eine Wiederaufnahme

Venue: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, Aufgang B, 3. Et., Seminarraum
Organized by Till Breyer (Ruhr-Universität Bochum) and Mareike Schildmann (ZfL)

Eine Kooperation des ZfL und des Germanistischen Instituts der Ruhr-Universität Bochum

Der Workshop reagiert auf die gegenwärtige Virulenz des Ideologie-Begriffs ebenso wie auf eine Randständigkeit seiner wissenschaftlichen Reflexion. Ziel ist die Sondierung von Ideologiekonzeptionen, die historische Rekonstruktion ihres Deutungs- und Erklärungsanspruchs und der ihnen inhärenten Aporien. Leitende Hypothese ist, dass der Begriff der Ideologie nicht nur den Befund eines ›falschen Bewusstseins‹ impliziert. Vielmehr stellt er ein Reflexionsreservoir dar, das anthropologische Prämissen, politische Verortungen und ästhetische Projekte zueinander ins Verhältnis setzt und solchermaßen seit dem 18. Jahrhundert eine zentrale Funktionsstelle in der Interpretation sozialer Transformationen eingenommen hat. Der Workshop möchte dabei die epistemologische Lesart des Ideologiebegriffs in zweifacher Hinsicht erweitern: indem er einerseits Aspekte der Affekt- und Körperpolitik und der Rolle der Institution miteinbezieht, andererseits die bildtheoretischen, medien- und literaturgeschichtlichen Implikationen innerhalb einer Diskursgeschichte der Ideologie verfolgt.

Program

Freitag, 05.07.2019

10.00–10.20 
Till Breyer (Bochum), Mareike Schildmann (ZfL): Begrüßung und Einführung

Moderation: Alexandra Heimes
10.20–11.10 
Falko Schmieder (ZfL): Thesen und Fragen zum Ideologiebegriff heute

11.10–12.00
Patrick Hohlweck (ZfL/HU Berlin): Friday und Robinson


Moderation: Till Breyer
12.10–13.00 
Patrick Eiden-Offe (ZfL/HU Berlin): Hegels Wesenslogik als Ideologietheorie


Moderation: Gerhard Hommer
14.20–15.10 
Mareike Schildmann (ZfL): Die sinnlichen Enden der Ideologie. Politische Affektenlehre in Büchners »Dantons Tod«

15.10–16.00 
Till Breyer (Bochum): Lichtbilder der Ideologie: Von Marx zu Fontane


Moderation: Rupert Gaderer
16.20–17.10
Christine Achinger (Warwick): Ideologie und narrative Form bei Freytag und Lukács

17.10–18.00
Lars Friedrich (Frankfurt a.M.): Die blauen Flecken der Ideologiekritik. ›Donquijoterien‹ in Marx, Lukács, Adorno und Benjamin


Samstag, 06.07.2019

Moderation: Zaal Andronikashvili
10.00–10.50
Sandra Janßen (KIT Karlsruhe): Totalitäre Ideologie – eine Systemfrage oder eine der (historischen) Epistemologie?

10.50–11.40
Sami Khatib (Lüneburg): Ästhetik der Warenform: Ideologie, Phantasmagorie oder Fetisch?


Moderation: Mareike Schildmann
11.50–12.40
Friedrich Balke (Bochum): Beschwörung und Besessenheit: Die Rolle der Mimesis in der ideologischen Anrufung (mit einem Blick auf Ludwig Tiecks »Der Aufruhr in den Cevennen«)


Moderation: Andrea Erwig
13.40–14.30
Roman Widder (HU Berlin): Poetik der Übereinstimmung. Ideologieaffirmation in Peter Weiss’ »Die Ästhetik des Widerstands«

14.30–15.20
Francesca Raimondi (Kunstakademie Düsseldorf): Gespenstische Ideologie. Über die Struktur neoliberaler Gegenwart

 

Fig. above: Illustration of a camera obscura (twelve hole camera), in: Bettini, Apiaria universae philosophiae mathematicae (1642), Source:  Wikimedia commons