ZfL workshop at the Warburg-Haus Hamburg
24 Nov 2017 – 25 Nov 2017

Politische Ikonologie – Begriffsgeschichte – Epochenschwellen

Venue: Warburg-Haus, Heilwigstr. 116, 20249 Hamburg
Organized by Ernst Müller (ZfL), Barbara Picht (Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder)

Mitte der 1990er Jahre erklärte Reinhart Koselleck, dass sich sein wissenschaftliches Interesse von der sprachlichen zur bildlichen Semantik verlagert habe. Für diese Verlagerung waren sein Studienaufenthalt am Warburg-Haus im Jahr 1996 und der Austausch mit Kunsthistorikern wichtig. Besonders die traumatischen Erfahrungen des Nationalsozialismus manifestierten sich für Koselleck nicht in begrifflich-semantischer Form, sondern in Bilder/Traumbildern.

Eine Verbindung zwischen der Warburg-Schule und der entstehenden Begriffsgeschichte (Ernst Cassirer, Joachim Ritter u.a.) gab es jedoch bereits seit Mitte der zwanziger Jahre. Erich Rothacker wollte sein kulturphilosophisches Wörterbuch zeitweise sogar am Warburg-Institut realisieren. Warburg selbst prägte den Begriff des Schlagbildes, gleichzeitig untersuchte der auf die Begriffsgeschichte wirkende österreichische Historiker Wilhelm Bauer die politische Funktion von Schlagworten. Und der vom Warburg-Kreis beeinflusste Siegfried Kracauer konstatierte das ›Primat des Optischen‹. Diese nur skizzierten exemplarischen Konstellationen zeigen enge politisch indizierte Verflechtungen der begriffsgeschichtlichen Forschung und der Ikonologie.

Der Workshop möchte Übertragungen, Überschneidungen, Ablösungsprozesse zwischen Begriffsgeschichte und (politischer) Ikonologie thematisieren. Dabei soll der historische Index in wenigstens doppelter Hinsicht bedacht werden: einerseits geht es um die Frage, wie die von Warburg und seinem Umfeld ausgehenden Bild- und Semantiktheorien mit den in der Begriffsgeschichtsforschung thematisierten Epochenschwellen umgehen, andererseits darum, wie und warum die Ikonologie im 20. Jahrhundert selbst zum favorisierten Instrument wird, um den kulturellen und politischen Bedeutungswandel zu fassen. Müssen wir sogar davon ausgehen, dass Bilder im 20. Jahrhundert in der politischen (Selbst-) Verständigung an die Stelle der Begriffe getreten sind?

The number of participants is limited. RSVP via mail: ernst.mueller@zfl-berlin.org