Figuren des Wissens. Begriffsgeschichte nach dem cultural turn
gefördert mit Mitteln der DFG 2005-2007
Leitung: Ernst Müller, Falko Schmieder
I. Projektbeschreibung
Die lexikalischen Großprojekte zur Begriffsgeschichte
(Geschichtswissenschaft, Philosophie, Rhetorik, Ästhetik etc.) sind bzw.
werden demnächst abgeschlossen. Begleitet wurde ihre Realisierung
zugleich von einer kulturwissenschaftlichen Wende der
Geisteswissenschaften, die keineswegs zu einem abnehmenden Interesse an
Begriffsgeschichte und historischer Semantik, vielmehr zu ihrer doppelter Öffnung geführt hat: zum einen
zur Erweiterung des Gegenstandfeldes durch Überwindung segmentierter
Kulturbegriffe, durch die Erweiterung der Wissenschafts- zur
Wissensgeschichte, durch Einbeziehung von Praktiken und Medien sowie
insbesondere der Naturwissenschaften, deren Semantik bislang kaum
historisch reflektiert wurde. Zum anderen ist die jüngere
Bedeutungsforschung in methodischer Hinsicht stärker an einer Verbindung
diskurstheoretischer, sprachpragmatischer, metaphern-, etymologie- und
mediengeschichtlicher Fragestellungen interessiert; zugleich ergeben
sich mit der Digitalisierung und Vernetzung des Wissens, neben neuen
technischen Möglichkeiten, Fragen nach der Repräsentation der Ordnung
des Wissens.
Das Projekt will in einem ersten Schritt die
bisherigen begriffsgeschichtlichen und historisch-semantischen
Forschungen und Debatten im nationalen und internationalen Rahmen in
einem Handbuch der Begriffsgeschichte und historischen Semantik resümieren. Dazu fand bereits 2004 eine Tagung
gegenwärtig mit Begriffsgeschichte befaßter Projekte statt, die in dem
Band 'Begriffsgeschichte im Umbruch', hg. v. E. Müller. Archiv für
Begriffsgeschichte, Sonderheft Jg. 2004, Hamburg: Felix Meiner Verlag
2004, dokumentiert ist. In einer weiteren historischen Perspektive
sollen dabei die diskursiven Voraussetzungen von Begriffsgeschichte
analysiert werden, in einer engeren die disziplinären Projekte
verglichen, ihre Realisierung an ihren Ansprüchen gemessen, der
Forschungsstand der theoretisch-methodischen Debatten zusammengefaßt
sowie begriffsgeschichtliche Experimente gesichtet werden. Ausgehend von
diesem Resümee begriffsgeschichtlicher Unternehmungen und ihrer
Desiderate soll in der zweiten Projektphase methodisch und
organisatorisch ein kulturwissenschaftlich-interdisziplinäres Wörterbuch
der Figuren des Wissens konzipiert werden. Dabei soll ‚Figur’
als ein heuristisches Instrument erprobt werden, mit dem die Dichotomien
von konzeptualisiertem Begriff, Metapher, Diskurs und Sprachpragmatik
unterlaufen werden, um insbesondere semantische Transfers, Übersetzungen
und Registerwechsel zwischen Wissensformen zu erfassen.
II. Publikationen
Herausgeber:
Ernst Müller
Begriffsgeschichte im Umbruch?
Archiv für Begriffsgeschichte: Sonderheft 4 (Jg. 2004)
Meiner Verlag, Hamburg, 2005
III. Veranstaltungen
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20.02. –
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Tagung
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