Dr. Nitzan Lebovic
Assistant Professor für Geschichte und Apter Chair for Holocaust Studies und Ethical Values an der Lehigh University in Bethlehem, Pennsylvania, USA
Zur Person
Nitzan Lebovic ist vom 13.06.2011–10.07.2011 auf Einladung des stellvertretenden Direktors Daniel Weidner Fellow am ZfL. Bereits 2009 war er auf Einladung von Ohad Parnes, Leiter des Forschungsbereichs Erbe/Vererbung, Gastwissenschaftler am ZfL. Lebovic ist Assistant Professor für Geschichte und Apter Chair for Holocaust Studies und Ethical Values an der Lehigh University in Bethlehem, Pennsylvania, USA.
Studium in Tel Aviv, München und Los Angeles; 2005 Promotion am Department of History an der University of California Los Angeles mit der Arbeit The Politicization of Lebensphilosophie: From Ludwig Klages to National Socialism, dort Lecturer bis 2007; 2007–2009 Lecturer am Minerva Institute for German History and Culture an der Tel-Aviv University; 2007–2009 »Yad-Hanadiv« Fellow (Rothschild Foundation) an der Tel-Aviv University. Lebovic war Research Fellow am Center for German-Jewish Studies, University of Sussex, am Van Leer Institute und am Israeli Democracy Institute, Jerusalem.
Schwerpunkte
Im Anschluss an seine Forschungen zur Politisierung der Lebensphilosophie untersucht Nitzan Lebovic Diskurse über das Leben, die nach 1940 und außerhalb der radikalen deutschen Rechte zu verorten sind. Auch unter jüdischen Intellektuellen in Prag, Berlin und Zürich wurden Konzepte der Lebensphilosophie und Biosemiotik auf unkonventionelle Weise diskutiert. Ausgehend von Hugo Bergmann, dem ersten Rektor der Hebräischen Universität in Jerusalem, lässt sich ein anderes Beziehungsgeflecht entwickeln. Wenigstens zwei enge Freunde Bergmanns, Emil Utz (Prag) und Shlomo Rothschild (Zürich, später Jerusalem) identifizierten sich seit den frühen 1920er und bis in die 1950er Jahre hinein mit dem neuen radikalen Vokabular von Lebenskonzepten. Vollzieht man dieses Beziehungsgeflecht zur Zeit der Erfindung biopolitischer Theorie nach, erschließt sich der enge Zusammenhang von der Philosophie biologischer Formen, radikaler Politik und Avantgardeästhetik.
Aktuell forscht Lebovic zum Begriff der Temporalität bei deutsch-jüdischen Intellektuellen (wie Georg Simmel, Walter Benjamin, Hannah Arendt, Jacob Taubes, Schmuel Hugo Bergman und Martin Buber) und arbeitet an der Herausgabe einer Sonderausgabe der Zeitschrift Rethinking History mit dem Titel "The Concept of Nihilism and the Limits of Political Critique". Zudem bereitet er einige kleinere Publikationen über Film, Biopolitik und Katastrophen-Theorien vor. Demnächst werden von ihm in Publikationen des ZfL Aufsätze zur Analyse der israelischen Krise erscheinen.
Publikationen
(Auswahl)
- "Simmel’s Edge: Georg Simmel between Counter History and History of Life", in: Ef-facing Simmel: Collected Articles, Cambridge 2006
- "Dionysische Politik und der Rausch-Diskurs: Entwicklungen und Widersprüche zwischen Romantik und Lebensphilosophie", in: A. v. Klimo/M. Rolf (Hg.): Rausch und Diktatur, Frankfurt/New York 2006
- "The Beauty and Terror of Life; Ludwig Klages, Walter Benjamin, and Alfred Baeumler", in: South Central Review (2006)
- "The Jerusalem School: The Theo-Political Hour", in: New German Critique 105 (Herbst 2008)
The Philosophy of Life and Death: Ludwig Klages and the Rise of Nazi Life, 2007 - "Fear the End: Celan between Scholem and Heidegger", in: The German Quarterly 83:4 (2010), S. 465–484


