Benjamin Steininger
Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum
Kulturwissenschaften Wien (IFK)
Zur Person
Benjamin Steininger ist vom 01.10.2010–30.06.2011 auf Einladung von Peter Berz, Mitarbeiter im Projekt Übertragungswissen - Wissensübertragung. Zur Geschichte und Aktualität des Transfers zwischen Lebens- und Geisteswissenschaften (1930/1970/2010), Gastwissenschaftler am ZfL. Hier wird er an seinem Dissertationsprojekt Katalysator – Ein Schlüsselbegriff des 20. Jahrhunderts (Betreuer: Prof. Dr. Claus Pias, Wien/Lüneburg; PD Dr. Peter Berz, ZfL Berlin) arbeiten.
- Studium der Kulturwissenschaft und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin
- 2006 Scholar-in-Residence am Deutschen Museum München
- 2006–2007 Stipendiat am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin
- 2007–2009 Kollegsassistant am "Initiativkolleg Sciences in Historical Context" der Universität Wien
- 2007 Co-Kurator der Ausstellung "Wilhelm Reich: Sex! Pol! Energy!" am Jüdischen Museum Wien
- 2007 Mitbegründer des Veranstaltunsformats TRAFIK – Wiener Arbeitsgespräche zur Kulturwissenschaft
- 2009-2010 Mitarbeit an der Konzeption des neuen österreichischen Erdölmuseums in Neusiedl/Zaya
Schwerpunkte
Benjamin Steinigers Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte der Beschleunigung, der Rohstoffe, Baustoffe und Kraftstoffe, Industrietheorie und Ausstellungskonzepte. Zusammen mit Christina Wessely bereitet Steiniger derzeit das Forschungsprojekt "Zeitspeicher" vor, das sich der geohistorischen Basis der Globalisierung widmet.
Katalytische Prozesse tragen die Welt allen Lebens, und seit 1900 auch die Welt der Industrie. Katalysatoren, die ohne selbst verbraucht zu werden, Geschwindigkeit und Richtung chemischer Reaktionen steuerbar machen, erzeugen die stoffliche Basis der Moderne: ökonomisch, strategisch, globalhistorisch. Kulturelle Gestaltungsmacht hat durch ein – wissenschafts- und medienhistorisch gesprochen – der Logik des Lebenden verwandtes Prinzip chemischer Regulation die Stoffe selbst erreicht. So erst wird aus der Ära der Dampfmaschine Tempo und Ökonomie des 20. Jahrhunderts. Zentriert ist das Forschungsprojekt um 1940, hier ist der katalytische Einfluss auf die reale und symbolische Ordnung exemplarisch greifbar. Wie schon der Erste, wird auch der Zweite Weltkrieg mit Katalyse-Produkten geführt: mit Dünge- und Sprengmitteln, Buna, Kohlebenzin, katalytisch raffiniertem Erdöl etc. Zudem steht Katalyse als Musterbeispiel der "Versöhnung" von Natur und Technik im Fokus "ganzheitlicher" NS-Technikdeutung. Schlüsselfigur zur Rekonstruktion eines hochproblematische Gemenges aus Biochemie, Kraftstoffwirtschaft, "chemistischer" Führer- und Geschichtsdeutung, gesamtgesellschaftlicher Steuerungslehre ist der BASF-Laborleiter a.D. und "Philosoph der Katalyse" Alwin Mittasch.
Publikationen
Auswahl:
- Raum-Maschine Reichsautobahn, Berlin 2005
- "„Kraftstoff!“ - Zur schmutzigen Basis des Verkehrs", in: Christoph Neubert, Gabriele Schabacher (Hg.): Verkehrswissenschaft und Kulturwissenschaft, Bielefeld 2009
- "Katalysator - Annäherung an einen Schlüsselbegriff des 20. Jahrhunderts", in: Ernst Müller, Falko Schmieder (Hg.): Begriffsgeschichte der Naturwissenschaften, Berlin/New York 2008, S. 53–71
- "Minerale Materiale Medien", in: Archiv für Mediengeschichte 7, S. 161–170
- "Die andere Biologie des Wilhelm Reich" (zusammen mit Peter Berz), in: Birgit Johler (Hg.): Wilhelm Reich Revisited, Wien 2007, S.101–113
- "„Shell führt durch den Motor“. Paranoische Geschichten rund ums Erdöl. Hörstück" (zusammen mit Mathias Ott), Ur-Sendung auf reboot.fm 12.3.2004
Website von Benjamin Steininger am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien


