Die Laokoon-Gruppe in der ästhetischen Theorie von 1506–1905

Projektbeschreibung

Das aus einer Arbeit zur Zeitstruktur des visuellen Erzählens hervorgegangene Promotionsprojekt galt zunächst der Zeit um 1800 als einer entscheidenden Epochenwende und fußte auf der Idee, mit Laokoon und den Elgin Marbles zwei bisher getrennt diskutierte Problemfelder zu verknüpfen. Beiden Themen haben gemeinsam, dass ihre Konjunktur im 18. und frühen 19. Jahrhundert von der ausufernden Forschung weitgehend unhinterfragt vorausgesetzt wird – obwohl die entsprechenden Objekte bereits früher bekannt waren (Laokoon) bzw. hätten bekannt sein können (Parthenon). Umfangreiche Studien zu den von Winckelmann, Lessing und Goethe benutzten frühneuzeitlichen Quellen sowie zur Vorgeschichte der Rezeption der Elgin Marbles in Deutschland, die im Rahmen längerer Forschungsaufenthalte in Weimar und Wolfenbüttel entstanden sind, haben ergeben, dass die historische Tiefendimension für ein Verständnis der Transformations- und Übersetzungsprozesse der antiken Überlieferung ein dringenderes Desiderat darstellt als ein synchroner Blick auf die Kanon-Konkurrenz um 1800. Insbesondere Winckelmanns epochale Laokoon-Deutung in den Gedancken über die Nachahmung (1755) beruht auf frühneuzeitlichen Voraussetzungen, die sie erfolgreich negiert und für die weitere Rezeptionsgeschichte dauerhaft überschreibt. Der Blick auf die Quellen zur Laokoon-Rezeption abseits der gut erforschten Laokoon-Konjunkturen hat letztlich zu einer Neuausrichtung des gesamten Projekts geführt, das nun als diachrone Geschichte der ästhetischen Reflexion über diesen Gegenstand von seiner Entdeckung bis ins frühe 20. Jahrhundert abgeschlossen werden soll.

Publikationen

Christoph Schmälzle

Laokoon in der Frühen Neuzeit

Textband (512 S.) und Bildband (304 S.)
Stroemfeld Verlag, Frankfurt a.M. 2018
ISBN: 978-3-86600-254-8