Klagende Musen. Literatur und Rechtsprechung am Beispiel der Persönlichkeitsrechtsverletzung

Projektbeschreibung

Das Promotionsprojekt untersucht Wechselwirkungen von deutschsprachiger fiktionaler Literatur und Rechtsprechung. Der Fokus liegt dabei auf Prozessen und Urteilen im Feld des Persönlichkeitsrechts beziehungsweise des Ehrenschutzes. Die Wiedererkennbarkeit realer Personen in einem fiktionalen Text verlangt nämlich nach Fiktionalitätstheorien in praxi, die im Streitfall von Juristen entworfen und durchgesetzt werden. Daher kommt der vor Gericht ausgetragene Literaturstreit, so Uwe Wittstock, »im Gegensatz zu den gelegentlichen Debatten über ästhetische Fragen zu einem definitiven Ergebnis«.

Die Studie widmet sich rechtswissenschaftlichen Konzepten von Fiktionalität, wie sie bei der Urteilsgenerierung und -begründung zutage treten, und den daraus resultierenden Effekten auf die literarische Praxis. Als Materialbasis dienen sowohl fiktionale Literatur als auch Urteilsbegründungen, wie dies in der Forschung zum Fall »Esra« (Maxim Biller) bereits geschehen ist. Somit kann der Einfluss der Rechtsprechung auf ein breites öffentliches Verständnis von Fiktionalität und Justitiabilität von Literatur untersucht werden. Ziel ist es, im Forschungsfeld »Recht und Literatur« einen Beitrag zu leisten, der jenseits der etablierten Ansätze »Recht als Literatur« und »Recht in Literatur« die Wechselwirkung beider Felder in der Praxis fokussiert.

Programmförderung BMBF 2017–2019
Bearbeitung: Clara Fischer