Nachlassprofile – Nachlassbewusstsein – Nachlasspoetik

Projektbeschreibung

Ein literarischer Nachlass ist das, »was zu Lebzeiten des Autors keine Werkförmigkeit erlangt hat, und damit folglich nicht Teil einer autorschaftlich gesteuerten Werkpolitik geworden sein kann« (Sina/Spoerhase 2013). Nachlässe können jedoch im Voraus vom Nachlasser (Autor) im Sinne einer Nachlasspolitik oder Nachlasspoetik (mit)gestaltet werden. Ist dies der Fall, kann von Nachlassbewusstsein gesprochen werden: Der Nachlass ist dann ein Konstrukt, »das Leben und Werk umschließen soll und einen Selbstentwurf realisiert, der wie ein Kunstwerk oder ein Gesamtwerk auch eine Poetik enthält« (Wirtz 2013).

Das Projekt erarbeitet anhand der aktuellen Forschungslage eine typologische Differenzierung von Nachlassbewusstsein und Nachlasspoetik. Als neutraler Überbegriff soll die bislang noch wenig etablierte Bezeichnung ›Nachlassprofil‹ weiterentwickelt werden, die es erlaubt, auch Fälle, bei denen von einem Mangel an Nachlassbewusstsein bzw. von Steuerungsverlusten ausgegangen werden muss, in den Blick zu bekommen. Anhand von Fallbeispielen soll für literarische Nachlässe untersucht werden, inwieweit auch die Absenz von Nachlassbewusstsein werkgeschichtliche oder poetologische Aussagekraft besitzen kann.

Programmförderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2017–2019
Leitung: Hannah Markus