Technik und Anthropologie. Technik- und Geisteswissenschaften im Dialog

Projektbeschreibung

Die immer weiter fortschreitenden Digitalisierung und Informatisierung der industriellen Produktion wie auch der Lebenswelt(en) verändern die Gesellschaft wie das Menschenbild grundlegend. In der gegenwärtigen Lage muss es die kultur- und geisteswissenschaftliche Aufgabe sein, die komplexen Probleme der »Industrie 4.0« ebenso wie die Mensch-Maschine-Kollaborationen im Alltag zu reflektieren. Hierbei geraten industrielle Artefakte (konventionelle Arbeitsmaschinen, Assistenzsysteme, Robotik) ebenso in den Blick wie alltägliche Techniken (Smartphones, Software-Agenten, Leitsysteme, Personal Computer, Internet der Dinge). Meist geht es dabei um soziotechnische Aushandlungsprozesse, die das Verhältnis ›Mensch-Technik‹ betreffen. Auffällig häufig kommen in den Diskussionen über dieses Mensch-Maschine-Verhältnis humanistische und anthropologische Termini sowie Argumentation zum Tragen. So wird von den Akteuren eine »verantwortungsvolle« Technik gefordert, die nicht nur dem Menschen dienen und ihn in den »Mittelpunkt« rücken soll, sondern die auch die »Akzeptanz« sowie das »Vertrauen« durch »ethische Reflexion« und Design mehren. Mit der emphatischen »Berücksichtigung« des Menschen zeichnet sich ein philosophischer Topos ab, der seit den 1920er Jahren in den Technikwissenschaften Eingang fand. Dieser Diskurs wird von Philosophen wie Arnold Gehlen, Theodor Litt oder Simon Moser ebenso geprägt wie von Psychologen (Fritz Giese), Physiologen (Richard Wagner) oder Regelungstechniker (Hermann Schmidt).
Zwar wird momentan in der Forschung immer mehr Wert auf eine gelungene Mensch-Maschine-Interaktion gelegt. Die Technik soll dabei Vertrauen und Akzeptanz vermitteln, Komplexität reduzieren sowie den Mensch in den Mittelpunkt stellen. Allzu oft unterbleibt jedoch der kritische Blick auf die Prämissen, implizite Annahmen und Kontinuitätslinien dieser Konzepte. Das interdisziplinär ausgerichtete Projekt möchte diesen kritischen Blick schärfen, indem es den Dialog zwischen Geistes- und Kulturwissenschaften und den Ingenieurwissenschaften untersucht und damit neue Perspektiven auf die derzeitigen Entwicklungen in der Mensch-Maschine-Interaktion ermöglicht.

Bildnachweis: Die Ermittlung der natürlichen Griffform eines Bedienungsmittels. Quelle: Karl August Tramm, Psychotechnik und Taylor-System. Bd. 1, Berlin u. Heidelberg 1921, S. 49

Carlo-Barck-Preis-Stipendium 2017–2018
Leitung: Kevin Liggieri

Publikationen

  • Der Mensch als »logische Maschine«? Die Kybernetik und ihre Probleme, in: Andreas Oberprantacher/ Anne Siegetsleitner (Hg.), Mensch sein – Fundament, Imperativ, Floskel, Innsbruck Uni Press: Innsbruck 2017, 561–571.
  • »Sinnfälligkeit der Bewegung« – Zur objektpsychotechnischen Anpassung der Arbeitsgeräte an den Menschen, in: Zeitschrift für Technikgeschichte 1 (2017), 29–62.
  • Akzeptanz durch Anpassung? Mensch und Technik im philosophischen und wissenschaftshistorischem Kontext der Sinnfälligkeit, in: Robert Weidner u.a. (Hg.), Zweite transdisziplinäre Konferenz zum Thema »Technische Unterstützungssysteme, die die Menschen wirklich wollen«, Hamburg 2016, 91–98.

Veranstaltungen

Konferenz (organisiert von Kevin Liggieri)
07.02.2018 – 09.02.2018

Der ›Faktor Mensch‹ in der Mensch-Maschine-Interaktion. Schnittstellen zwischen Mensch und Technik aus geistes- und technikwissenschaftlichen Perspektiven

Ruhr - Universität Bochum, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum, Raum FNO 02/40 / Blue Square, Kortumstraße 90, 44787 Bochum

weiterlesen