Theorie des Rückzugs

Gegenstand des Projekts ist die Bewegung des Zurück als Inversion des Vorwärts. Sie folgt dem von Aristoteles formulierten Gesetz von Aktion und Reaktion als der ›Verausgabung‹ der Aktion an ihrem – passiven – Gegenstand und der Dialektik der gleichzeitigen ›Aktivierung‹ des Gegenstands. Von Clausewitz angewandt auf das militärische Verhältnis von Angriff und Verteidigung (abnehmende Kraft des Angriffs bei zunehmender Kraft der Verteidigung), ist dieses Gesetz ein Schlüssel zum Verständnis historischer Gezeitenwechsel. Die Fragestellung des Projekts gilt der Veränderung im Bewusstsein derer, die das Ende ihrer Vorwärtsbewegung erleben, und dem, wie sie den Kraft- und Machtverlust erleben, d. h. rationalisieren. Locus classicus der Zurück-Bewegung ist natürlich die restaurative Reaktion der Romantik nach den Vorwärts-Saltos der französischen Revolution. Der gegenwärtige Populismus reagiert auf Globalisierung und Digitalisierung als jüngste Phase der Moderne. Immer sind es die sogenannten Verlierer des Fortschritts, die das ›Zurück‹ attraktiv machen, wobei ihnen die romantische Errungenschaft der Ästhetisierung des Politischen hilfreich ist. Deshalb wohl schlägt das Pendel in solchen Zeiten meist nach rechts aus.