Zukünftigkeit und Bildung

Projektbeschreibung

Das Projekt untersucht die Verknüpfungen zwischen Bildung, Sicherheit und Zukunft aus einer genealogischen Perspektive. Wie wirkt sich unsere Erfahrung von Zukunft, die mehr und mehr von Vorstellungen zu Risiko und Sicherheit geprägt ist, auf das Projekt der Moderne aus, das mit seiner Orientierung an Fortschritt und Emanzipation der Antrieb moderner Bildung war? Wenngleich sich die Strukturen von Bildungsinstitutionen nicht wesentlich verändert zu haben scheinen, haben das Verständnis für die institutionellen Praktiken und die dazugehörigen Diskurse neue Erkenntnisse befördert. Ein wachsendes Wissen, das auf Kalkulationen gegen die Zukunft basiert, rechtfertigt nicht nur pädagogische Programme, nationale Reformen und Überwachungsprogramme an Schulen, sondern auch neue Bildungsideale.

Wird Bildung in Zukunft den Anspruch der Moderne hinter sich lassen, Zukunft als eine Zeit der Alterität zu konstruieren (Koselleck)? Wird die Schule, als Institution traditionell eine der tragenden Säulen des Fortschrittsprojekts der Moderne, zu einer Sicherheitstechnologie und einem Werkzeug zur Minimierung individueller und kollektiver Bedrohungen umgeformt? Gibt Bildung somit schrittweise die Pflicht zur Konstruktion einer offenen (und ungewissen) Zukunft auf?

Um die Vorstellung von Sicherheit als zentralem Element zeitgenössischer Bildungsnarrative zu untersuchen, wird das Projekt a) zeitgenössische mit modernen Narrativen kontrastieren, um so die Ambivalenz zwischen der Angst vor der Zukunft und der Hoffnung auf Fortschritt zu analysieren; b) untersuchen, inwiefern die Bildungsinstitution der Schule als moderne Technologie und temporales Werkzeug, das sowohl in der Sphäre des Privaten wie auch des Öffentlichen wirkt, verstanden werden kann; c) der Präsenz von Sicherheitsvorstellungen in zeitgenössischen Bildungsnarrativen und -diskursen von internationalen Institutionen und Bildungspolitiken nachgehen; d) Sicherheits- und Risikovorstellungen in der Bildungspolitik Deutschlands und Brasiliens vergleichen.

Forschungsstipendium der Universidade de Brasilia 2017–2018