Heine und Freud
Die Enden der Literatur und die Anfänge der Kulturwissenschaft

LiteraturForschung Bd. 7
Kulturverlag Kadmos, Berlin 2010, 358 Seiten
ISBN: 978-3-86599-067-9

Im selben Jahr, in dem Heinrich Heine starb, 1856, wurde Sigmund Freud geboren. Dies beschreibt über den Zufall hinaus eine Konstellation, in der der Tod der Dichtung und die Geburt der Psychoanalyse zusammenfallen. Die Beiträge des Buchs beschreiben sie als Schwelle zwischen dem Ende der Kunstperiode und der Genese der ersten Kulturwissenschaft.

Der Zufall des Datums ist Anlass, um der Wahlverwandtschaft beider Autoren über die Generationen hinweg nachzugehen und die expliziten wie verschwiegenen Korrespondenzen zwischen beider Werk zu beleuchten: als jüdische Intellektuelle in den Hauptstädten der Moderne und im Zeitalter der Säkularisierung. Den bekanntesten Zutritt zum Schauplatz eines Dialogs zwischen Heine und Freud bilden die vielen Heine-Zitate in Freuds Witz-Buch. Darüber hinaus erörtern die Enden der Literatur jene Aspekte des Literarischen, die in die Wissenschaft vom Unbewussten und der Psyche hineinreichen: Modi der literarischen Wahrnehmung und Darstellung, die in der Psychoanalyse (re-)aktiviert werden. Während Heines Schreibweise die Grenzen der Dichtung überschreitet, wenn er bei seinen Reisen und Flanerien durch die Schriften und Bilder, die Räume und Archive der europäischen Kulturen die Spuren individueller und kollektiver Ängste und Wünsche in der Weltgeschichte kommentiert, ist die Erfindung der Psychoanalyse durch Freud umgekehrt nicht denkbar, wäre er nicht neben der Neurologie auch bei Dichtung und Kunst, Experten der Sprache des Unbewussten, in die Lehre gegangen.

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Veranstaltung

Symposium
18.05.2006 – 20.05.2006 · 02.00 Uhr

Heinrich Heine und Sigmund Freud. Die Enden der Literatur und die Anfänge der Kulturwissenschaft

Literaturhaus Berlin, Fasanenstr. 23, Berlin-Charlottenburg

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Medienecho

01.12.2011
Geburt der Kulturwissenschaft mit Ironie und Witz [PDF]

Kurzrezension, in: TU Berlin intern. Die Hochschulzeitung der Technischen Universität Berlin, Nr. 12 (2011), S. 4