Der engagierte Solitär. Untersuchungen zur Theorie und Existenz des autonomen Schriftstellers und der für ihn entworfenen literarischen Ästhetik
gefördert mit Mitteln der DFG 2000-2002
Leitung: Eberhard Lämmert
Mitarbeiter: Eckart Goebel
Der Wandel des gesellschaftlichen Ranges der Schriftsteller, ihrer
Selbsteinschätzung und auch der Nimbus, mit dem die literarisch
gebildete Öffentlichkeit sie umgibt, haben sich entscheidend verändert,
seit Poeten, Dramatiker und seit dem späteren 18. Jahrhundert auch
Romanautoren in Europa nicht nur als gelegentliche Einzelgänger, sondern
prinzipiell die Auftragsarbeit für die Obrigkeiten aufkündigten und für
ihre literarische Produktion die Autonomie ihres imaginären Kosmos als
"second maker" beanspruchten. Der "nicht genormte Individualist"
(Hermann Hesse) wird zu einer öffentlichen Instanz des kulturellen und
politischen Lebens. Unter dem Titel "Respekt vor den Poeten" verfolgt
Eberhard Lämmert diese Existenzform des "freien Schriftstellers" bis ins
20. Jahrhundert hinein und zeigt dabei, wie weit das konfliktreiche
Verhältnis der Schriftsteller zu ihrer Öffentlichkeit Motive und Formen
ihrer Werke, aber auch ihre Lebensumstände prägt.
Eckart Goebels
Untersuchungen zum Widerstreit zwischen Individuum und Gesellschaft, den
der autonome Künstler exemplarisch austrägt, thematisieren Positionen
des 20. Jahrhunderts. Studiert werden André Gide, T. S. Eliot und
Gottfried Benn, dann Positionen aus der Zeit nach 1945. An den Schriften
Theodor W. Adornos, Jean-Paul Sartres und Jean Amérys sollen
Folgerungen erörtert werden, die diese Autoren aus dem Exil, der
Résistance, dem Stalinismus und den nationalsozialistischen
Konzentrationslagern für die gesellschaftliche Position des
Intellektuellen gezogen haben.
Publikationen
Monographien:
Eberhard Lämmert: Respekt vor den
Poeten. Studien zum Status des freien Schriftstellers. Göttingen:
Wallstein 2009, Reihe: Manhattan Manuscripts (Hg. von Eckart Goebel,
Paul Fleming und John T. Hamilton), Band 1
Eckart Goebel,
Eberhard Lämmert (Hg.): "Für Viele stehen, indem man für sich steht". .
Formen literarischer Selbstbehauptung in der Moderne. Berlin: Akademie
Verlag 2004
Aufsätze, Artikel:
Eckart Goebel:
Glücksschuh und goldne Waage. Eduard Mörikes artistische Balance
zwischen Klassizismus und Moderne, in: Eckart Goebel, Eberhard Lämmert
(Hg.): "Für Viele stehen, indem man für sich steht". Berlin: Akademie
Verlag 2004
Eberhard Lämmert: "Der verbannte Schriftsteller -
eine europäische Figur, in: Eckart Goebel, Eberhard Lämmert (Hg.): "Für
Viele stehen, indem man für sich steht". Berlin: Akademie Verlag 2004


