Synergie. Technik und Glaube in der Slavia Orthodoxa

  1. Projektbeschreibung
  2. Teilprojekte
    1. Wissenschaft und Prophetie in der Dichtung der russischen Avantgarde (Dissertationsprojekt)
  3. Publikationen
  4. Veranstaltungen

gefördert von der VolkswagenStiftung, »Pro Geisteswissenschaften – Dilthey-Fellowship« 2010–2015
Leitung: Tatjana Petzer

Mit Synergie (synérgeia, griech. Zusammenwirken, Mitarbeit) werden ganz allgemein kooperative Interaktionen bezeichnet, die zu einer neuen Qualität führen bzw. führen sollen. Durch die einflussreiche Lehre des Architekten und Philosophen Richard Buckminster Fuller vom synergetischen Planen und Gestalten sowie durch die Synergetik, die der Physiker Herman Haken zur fächerübergreifenden Beschreibung komplexer selbstorganisierender Systeme wissenschaftlich begründete, wurden Psychologie, Neurowissenschaft, Linguistik, Soziologie, Ökonomie und Theologie zu neuen theoretischen Überlegungen inspiriert. Aktuell haben Synergie-Konzepte nicht nur in Debatten der Natur- und Geisteswissenschaften, sondern auch in den Künsten Konjunktur. Dabei stellt sich die wissenstheoretische Frage, wie derartige Synergie-Modellierungen in die Generierung und Strukturierung von Wissen eingreifen und welches Innovationspotential sie für die Wissensgesellschaft mit Blick auf die Zukunft haben.

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Tatjana Petzer geht diesen Fragen zunächst aus historischer Perspektive am Beispiel des slawisch-orthodoxen Kulturraums nach, der im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts transdisziplinäre, in der Religion präfigurierte Synergie-Konzepte hervorbrachte. In ihrer kulturwissenschaftlichen Studie werden – ausgehend von der neutestamentarischen Figur des synergós – weltanschauliche Erklärungsmodelle, globale Transformationsprojekte und Zukunftsentwürfe sowie Technologieentwicklungen untersucht, die angesichts des allgemeinen Krisenbewusstseins um 1900 von Grenzgängern zwischen den Disziplinen als Angebot unterbreitet wurden – mit dem Ziel, zu einer ›Neuen Menschheit‹ aufzubrechen.

Neben dem Forschungsvorhaben zur Slavia Orthodoxa werden in dem interdisziplinären Forum SynergieWissen am ZfL Elemente einer allgemeinen Kultur- und Wissensgeschichte der Synergie/Synergetik erarbeitet.

Wissenschaft und Prophetie in der Dichtung der russischen Avantgarde (Dissertationsprojekt)

Mitarbeiter: Anar Imanov

Die Suche nach einer Synthese von Kunst, Religion und Wissenschaft führte in der russischen Moderne zur Entwicklung neuer künstlerischer Methoden, mithilfe deren eine vielschichtige Konzeption der Zukunft entstand. Ziel der Dissertation ist es, die universalistische Konzeption der russischen avantgardistischen Dichtung herauszuarbeiten, die vor dem Hintergrund sich wandelnder Wissens- und Wissenschaftssysteme in der Moderne den Versuch unternahm, mittels projektivem Denken und prophetischem Schreiben zwischen Organischem und Dinglichem, Phantasmen und Wissen, Glauben und Ratio zu vermitteln. Anhand der poetisch-wissenschaftlichen Visionen von Velimir Chlebnikov und anderen Dichtern der futuristischen Bewegung untersucht Anar Imanov ästhetische Entwürfe und literarische Programmatiken, die durch Sprechakte der Verkündung die Dichtung und die exakten Disziplinen miteinander verschränkten sowie wissenschaftliche Mythologeme konstituierten.

Publikationen

Tatjana Petzer: »Kultakte der Wissenschaft. Synergie und Synthese im russischen Kosmismus«, in: Nadežda Grigor’eva u.a. (Hg.): Das Konzept der Synthese im russischen Denken. Künste – Medien – Diskurse, München u.a.: Sagner 2010, S. 161–182

Dies.: »›Überall ist Energie‹ Nikola Teslas Entdeckungen und Visionen«, in: Trajekte 21, 2010, S. 30–36

Dies.: »Selbstorganisation, Spiel, Synergie«, in: Trajekte 22, 2011, S. 38–39