Tragödie und Trauerspiel
Programmförderung BMBF 2011–2013
Leitung: Daniel Weidner
Bearbeitung: Claude Haas
Gastwissenschaftler: Raz D. Chen-Morris, Uwe Steiner
I. Projektbeschreibung
Das Projekt erforscht Tragödie und Trauerspiel samt ihrer jeweiligen Philosopheme anhand ausgewählter Beispiele als Schauplätze einer grundlegenden Interferenz und Dialektik europäischer Säkularisierungsprozesse vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Zeichnet sich die neuzeitliche Tragödie durch eine weitgehende Absorption ihrer ehemals kultischen Ursprünge aus, so zeugt das Trauerspiel von einer prinzipiellen Verlusterfahrung religiöser oder zumindest eschatologischer Selbstverständlichkeit. Sowenig beide Phänomene damit aber als programmatische Absagen an ihr antikes oder christliches Erbe verstanden werden dürfen, sowenig lebt dieses innerhalb ihrer historischen Entwicklung in der Form eines jeweils distinkten oder gar homogenen Substrats fort. Christliche, antike und pseudo-antike Momente können sich in Trauerspiel, Tragödie und ihrer Philosophie vielmehr fortwährend kreuzen oder vermischen. Indem derartige Prozesse der Konglomeration und Hybridisierung besonders die Vor- und Darstellung von Staat und Herrschaft tangieren, wird das Projekt prominente Diskurse der politischen Theorie wie Theologie historisch und systematisch auf ihre ›tragischen‹ oder ›traurigen‹ Ursprünge und Implikationen hin befragen.
Gängige Theorien der Säkularisierung und des Politischen sind folglich nicht eindimensional auf Trauerspiel und Tragödie zu applizieren, vielmehr wird umgekehrt die Frage aufgeworfen, inwiefern beide Phänomene zentrale Stationen dieser Theoriebildung ihrerseits mitgeprägt und determiniert haben. Dabei werden auch Möglichkeiten der Verortung konfessioneller Subtexte sowohl der zu untersuchenden Stücke als auch der Philosophie des Tragischen ausgelotet.
Die literaturwissenschaftliche, philosophische und religionsgeschichtliche Aufarbeitung von Tragik und Trauer soll dabei konsequent mit repräsentations- und performanztheoretischen Fragestellungen verknüpft werden. Indem sich diese wiederum in erster Linie aus den politischen Dimensionen von Theater und Theatralität ergeben, versucht das Projekt auch einen systematischen Beitrag zur Erforschung der Konstitution einer – sei es imaginären – (Theater-)Öffentlichkeit und der dieser zugrunde liegenden Affektökonomien im historischen Prozess zu leisten.
II. Publikationen
Claude Haas, Daniel Weidner (Hg.): Das Nachleben des Trauerspiels, Berlin: Kulturverlag Kadmos (erscheint Herbst 2013)
Daniel Weidner
»Zerreißen, Verschlingen, Zerrinnen. Opfer, Abendmahl und Trauerspiel in Kleists ›Penthesilea‹«, in: Kleist-Jahrbuch 2012, S. 270-289
»›Schau in dem Tempel an / Den ganz zerstückten Leib, der auf dem Kreuze lieget‹. Theatrale und Sakramentale Präsenz in Andreas Gryphius' ›Leo Armenius‹«, in: Daphnis, Bd. 39, 2010, S. 287–312
Claude Haas
»Indianer weinen (nicht). Zu Poetik und Dramaturgie der Träne bei Corneille, Schiller und Racine«, in: Marcel Krings/Roman Luckscheiter (Hg.): Deutsch-Französische Literaturbeziehungen. Stationen und Aspekte dichterischer Nachbarschaft vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Würzburg: Königshausen & Neumann 2007, S. 131–145
»Heute ein König? Zur Dramenzeit des Souveräns«, in: Claude Haas/Andrea Polaschegg (Hg.): Der Einsatz des Dramas. Dramenanfänge, Wissenschaftspoetik und Gattungspolitik, Freiburg. i. Br., Berlin u. Wien: Rombach 2012, S. 253–276
III. Veranstaltungen
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23.02. –
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Tagung
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17.02. –
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12.07. –
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