Buchvorstellung
10.05.2006 · 22.00 Uhr

Dekonstruktion und Destruktion. Gespräche

Ort: ZfL, Jägerstr. 10/11, 10117 Berlin, R. 06
Organisiert von Michail Ryklin, Sylvia Sasse

Programm

Buchpräsentation anläßlich der Neuerscheinung von Michail Ryklins Sammlung Dekonstruktion und Destruktion. Gespräche (Zürich/Berlin: Diaphanes)

Zum Buch
Ob es nun darum geht, (eine) Philosophie von außerhalb her zu verstehen, oder immer wieder um die sowjetische Erfahrung intellektuellen Lebens. Es ist der ureigene Modus philosophischer Lektüre, das hartnäckige Fragen, das sich im Gespräch produktiv nach außen kehrt und verhindert, daß das Sprechen monologisch wird: Den Nullpunkt der Diskussion, von dem aus endgültige Deutungen möglich wären, gibt es nicht. In den hier versammelten Gesprächen mit Jacques Derrida, Félix Guattari, Jean Baudrillard, Philippe Lacoue-Labarthe, Jean-Luc Nancy, Paul Virilio, Richard Rorty, Slavoj Zizek, Susan Buck-Morss und Boris Groys ergibt sich eine perspektivische Brechung, eine facettenreiche Einführung in den je »anderen« Blickwinkel, die dem kundigen wie dem unkundigen Leser ebenso zugute kommt wie dem jeweiligen Gesprächspartner.

Zur Person
Michail Ryklin, Professor am Institut für Philosophie der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau und Honorary Member des ZfL, repräsentiert ein Denken an der Peripherie ideologischer Diskurse. Mit seinen philosophischen Analysen von Terrorsystemen macht er die Problematik des Terrors in der stalinistischen Sowjetunion und im post-stalinistischen Rußland zum Thema (s)einer Philosophie, die eine „Lücke im westlichen Archiv“ füllt. Sein enkhorizont ist orientiert an Problemen der Geschichte der wechselseitigen Wahrnehmung zwischen Rußland und Westeuropa. 1948 in Leningrad geboren, war er Schüler von Merab Mamardashvili und promovierte 1978 mit einer Arbeit über Lévi-Strauss und Rousseau. Anfang der 1980er Jahre war Ryklin einer der Mitbegründer des Moskauer Verlags Ad Marginem, in dem z.B. die russische Erstübersetzung von Sein und Zeit erschien. Er selbst übersetzte u.a. die Anthropologie structurale von Lévi-Strauss ins Russische. So trug er maßgeblich zur Verbreitung westeuropäischer Gegenwartsphilosophie in Rußland bei. In den 1980er Jahren wirkte er als Gastprofessor an amerikanischen und britischen Universitäten und arbeitete mit am Seminar Derridas an der École des Hautes Études en Sciences Sociales. Als ständiger Mitarbeiter von Lettre Internationale ist er in den letzten Jahren zu einem der international renommiertesten Publizisten im Spannungsfeld zwischen Ost und West geworden.

Publikationen (Auswahl):
In deutscher Übersetzung zuletzt erschienen: Verschwiegene Grenze. Briefe aus Moskau 1995–2003 (Berlin 2003); Räume des Jubels. Totalitarismus und Differenz (Frankfurt/M. 2003). Publikationen in russischer Sprache: Die Logik des Terrors (Tartu 1992); Jacques Derrida in Moskau. Dekonstruktion einer Reise (Moskau 1993); Kunst als Hindernis (Moskau 1997); Der Metrodiskurs. Essays zum Sowjet- und Nazi-Terror (Moskau 2001).