Dekonstruktion und Destruktion. Gespräche
Programm
Buchpräsentation anläßlich der Neuerscheinung von Michail Ryklins Sammlung Dekonstruktion und Destruktion. Gespräche (Zürich/Berlin: Diaphanes)
Zum Buch
Ob
es nun darum geht, (eine) Philosophie von außerhalb her zu verstehen,
oder immer wieder um die sowjetische Erfahrung intellektuellen Lebens.
Es ist der ureigene Modus philosophischer Lektüre, das hartnäckige
Fragen, das sich im Gespräch produktiv nach außen kehrt und verhindert,
daß das Sprechen monologisch wird: Den Nullpunkt der Diskussion, von dem
aus endgültige Deutungen möglich wären, gibt es nicht. In den hier
versammelten Gesprächen mit Jacques Derrida, Félix Guattari, Jean
Baudrillard, Philippe Lacoue-Labarthe, Jean-Luc Nancy, Paul Virilio,
Richard Rorty, Slavoj Zizek, Susan Buck-Morss und Boris Groys ergibt
sich eine perspektivische Brechung, eine facettenreiche Einführung in
den je »anderen« Blickwinkel, die dem kundigen wie dem unkundigen Leser
ebenso zugute kommt wie dem jeweiligen Gesprächspartner.
Zur Person
Michail
Ryklin, Professor am Institut für Philosophie der Russischen Akademie
der Wissenschaften in Moskau und Honorary Member des ZfL, repräsentiert
ein Denken an der Peripherie ideologischer Diskurse. Mit seinen
philosophischen Analysen von Terrorsystemen macht er die Problematik des
Terrors in der stalinistischen Sowjetunion und im post-stalinistischen
Rußland zum Thema (s)einer Philosophie, die eine „Lücke im westlichen
Archiv“ füllt. Sein enkhorizont ist orientiert an Problemen der
Geschichte der wechselseitigen Wahrnehmung zwischen Rußland und
Westeuropa.
1948 in Leningrad geboren, war er Schüler von Merab Mamardashvili und
promovierte 1978 mit einer Arbeit über Lévi-Strauss und Rousseau. Anfang
der 1980er Jahre war Ryklin einer der Mitbegründer des Moskauer Verlags
Ad Marginem, in dem z.B. die russische Erstübersetzung von Sein und Zeit erschien. Er selbst übersetzte u.a. die Anthropologie structurale
von Lévi-Strauss ins Russische. So trug er maßgeblich zur Verbreitung
westeuropäischer Gegenwartsphilosophie in Rußland bei. In den 1980er
Jahren wirkte er als Gastprofessor an amerikanischen und britischen
Universitäten und arbeitete mit am Seminar Derridas an der École des
Hautes Études en Sciences Sociales. Als ständiger Mitarbeiter von Lettre
Internationale ist er in den letzten Jahren zu einem der international
renommiertesten Publizisten im Spannungsfeld zwischen Ost und West
geworden.
Publikationen (Auswahl):
In deutscher Übersetzung zuletzt erschienen: Verschwiegene Grenze. Briefe aus Moskau 1995–2003 (Berlin 2003); Räume des Jubels. Totalitarismus und Differenz (Frankfurt/M. 2003). Publikationen in russischer Sprache: Die Logik des Terrors (Tartu 1992); Jacques Derrida in Moskau. Dekonstruktion einer Reise (Moskau 1993); Kunst als Hindernis (Moskau 1997); Der Metrodiskurs. Essays zum Sowjet- und Nazi-Terror (Moskau 2001).