Fr, 26.02. –
Sa, 27.02.2010
Workshop
Der Kulturheros – ein Paradigma zwischen Kult, Kultur und Politik
ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Seminarraum 303
Kontakt:
Zaal Andronikashvili, Giorgi Maisuradze, Franziska Thun-Hohenstein
ZfL-Projekt(e):
Aporien forcierter Modernisierung: Figurationen des Nationalen im Sowjetimperium
Programm
Für
die Moderne ist die Verehrung von Kulturheroen als Gründer nationaler
Kulturen ein zentrales Phänomen. So ist neben den alten historischen und
mythologischen Heldenfiguren ein neues Symbol der kollektiven Identität
– der Kulturheros entstanden, dessen Genese sich bis zu antiken
Herosfiguren (wie z.B. Prometheus) zurückverfolgen lässt und dessen
Nachleben sich bis heute beispielsweise im postsowjetischen Kulturraum
abzeichnet.
Der
Kulturheros hat besonders großes Gewicht in der Sowjetunion erlangt.
Seit den 1930er Jahren wurden dort in Analogie zum Kult des politischen
Führers kulturelle Stifterfiguren installiert, die vor allem als
Instrument zur Schaffung ideologisch determinierter nationaler Narrative
dienten (Aleksandr Puškin, Šota Rustaveli, Taras Ševčenko u.a.). Dabei
handelte es sich in der Regel nicht um lebende Personen, sondern um Tote
(in den meisten Fällen Dichter), die zu Wächtern über die kulturelle
Identität erhoben wurden. Eine Analyse dieser von staatlicher Hand
eingesetzten und politisch instrumentalisierten sowjetischen
'Kulturheroen' lenkt den Blick auf die Frage nach den Spezifika der
Figur des 'Kulturheros' zwischen Kult, Kultur und Politik.
Der
Workshop soll genutzt werden, um funktionelle Differenzen und
Verschiebungen am Beispiel unterschiedlicher Konstellationen aus
verschiedenen nationalen Kulturen und Epochen zu diskutieren und die
Figur des 'Kulturheros' in ihren strukturellen Spezifika präziser fassen
zu können. Dabei stellen sich u. a. folgende Fragen: Wie kann die
Genese aus antiken Figuren – einerseits aus dem Heros im Kult und,
andererseits, aus dem antiken Kulturheros – erklärt werden? Welche
Funktion hat die Verlagerung des "Heros" aus dem Feld der Macht (etwa
des Nationalheros) ins Feld der Kultur? Wird dadurch das Politische
verharmlost und die Kultur im Gegenzug politisch instrumentalisiert? Wie
funktioniert die "Verschiebung" des Heros ins Feld der Macht in
unterschiedlichen Epochen und kulturellen Konstellationen
(Wilhelminisches Deutschland, Nazideutschland, Russland, Sowjetunion vs.
verschiedene Sowjetrepubliken)?
PROGRAMM (Stand: 22. 2.2010)
Freitag, 26.2.2010
11.00 Eröffnung
HEROS ZWISCHEN KULT UND KULTUR
11.30-13.30
Giorgi Maisuradze (ZfL): Transformation des Heroischen: Vom antiken Heros zum "Kulturheros" der Moderne
Martin Treml (ZfL): Von der Arbeit zum Wissen. Das Nachleben des antiken Heros am Beispiel des Herakles und des Ödipus
15.00-16.00
Thomas Macho (HU): Prometheus (Luigi Nono)
KULTURHEROEN UND NATIONALE GRÜNDUNGSMYTHEN
16.30-18. 30
Stefan Willer (ZfL): „So feyert ihn!“ Zur Heroisierung Friedrich Schillers 1805-2009
Erik Porath (ZfL): Künstler, Philosoph, "Genius der Gattung": Friedrich Nietzsches Ästhetik der Produktion
19.00
Lars
Karl (HU): Imam Shamil' als Erinnerungsfigur und ikonografischer Topos:
Narrative und Gegen-Narrative im Spannungsfeld der imperialen
Peripherie (1880-1991)
Samstag, 27.2.2010
DER SOWJETISCHE KULTURHEROS
11.30-13.30
Zaal Andronikashvili (ZfL): Der sowjetische Kulturheros
Oksana
Bulgakowa (Mainz): Zur historischen, phantastischen und
alltagsbezogenen Projektion eines Kulturheros im sowjetischen Film
15.00
Jurij Murašov (Konstanz): Džambul Džabaev und die Mythopoetik des sozialistischen Realismus
Jenny Alwart (Leipzig): Heroisierungen von Taras Ševčenko in den Jubiläumsjahren 1961 und 1964: Kulturpolitik und Opposition


