Literaturtage des ZfL
20.11.2015 – 21.11.2015

Feste Feiern. Exzess und Ritual in der Gegenwartsliteratur

Ort: Literaturhaus Berlin, Fasanenstr. 23, 10719 Berlin

Programm

Organisiert von: Claude Haas, Hannah Markus, Stefan Willer (alle ZfL) in Kooperation mit Ulrike Vedder (Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität Berlin) und dem Literaturhaus Berlin

(Stand: 12.11.2015)

Freitag, 20.11.2015

Lesungen und Gespräche mit ...

  • 14.00–15.00
    Saša Stanišić und Ulrich Plass (ZfL)
  • 15.00–16.00
    Thomas Hettche und Claude Haas (ZfL)
  • 16.30–17.30
    Nora Bossong und Hannah Markus (ZfL)
  • 17.30–18.30
    Stephan Thome und Christina Pareigis (ZfL)

Filmausschnitte und Gespräch

  • 19.30–21.00
    Ulrike Ottinger: »Zerreißproben«, Filmausschnitte und Gespräch mit Dirk Naguschewski (ZfL)


Samstag, 21.11.2015

Vortrag und Gespräch

  • 14.00–15.00
    Vortrag von Thomas Macho (HU Berlin): »Weihnachten. Warten auf ein Fest« und Gespräch mit Eva Geulen (ZfL/HU Berlin)

Lesungen und Gespräche mit ...

  • 15.30–16.30
    Judith Keller und Johannes Becker (ZfL)
  • 16.30–17.30
    Ulrike Draesner und Ulrike Vedder (HU Berlin)
  • 18.00–19.00
    Josef Winkler und Daniel Weidner (ZfL/HU Berlin)
  • 19.00–20.00
    Jonas Lüscher und Stefan Willer (ZfL/HU Berlin)

Eintritt frei

Die deutschsprachige Literatur der letzten Jahre zeichnet sich durch ein verstärktes Interesse an Festen, Feiern und Ritualen aus. Dies ist um so bemerkenswerter, als man die Moderne angesichts ihrer Auflösung des Gegensatzes zwischen Arbeit und Muße eine ›festvergessene‹ Epoche genannt hat. Schließlich entdeckt die Literatur gerade ein Phänomen wieder, das die europäische Kulturgeschichte in Form von reglementierten und ritualisierten Ausnahmezuständen – man denke etwa an den Karneval – vielfach geprägt hat. Ist es dabei das heikle gemeinschaftsstiftende Versprechen des Festes, das seine neue Attraktivität in einer globalisierten Welt ausmacht? Oder verdankt sich diese umgekehrt einer Lust an der Überschreitung?

Die ZfL-Literaturtage 2015 wollen den vielfältigen Spannungen, Widersprüchlichkeiten und Ambivalenzen nachspüren, die jedem Fest innewohnen. Im Mittelpunkt steht der literarische Umgang mit dem schwierigen Spagat zwischen Exzess und Ordnung, den Feste wie Rituale seit alters her zu bewältigen hatten und der sie kulturgeschichtlich in herausragender Weise determiniert. Feste befördern die Ausschweifung, begrenzen sie aber auch. Diese Doppelbewegung charakterisiert bereits ihre Temporalität. Sie gliedern den Kalender und die chronologische Zeit, fallen aber auch aus der Zeit des Alltags und der Arbeitswelt heraus. So bilden Feste Schnittstellen zwischen Ordnung und Unordnung, zwischen Stabilität und Zerfall, zwischen Sinn und Unsinn.

Da sich die Literatur meist eher der Kritik als der Affirmation von Wertehierarchien verpflichtet weiß, stellt sich die Frage, wann das literarische Fest als gelungen zu betrachten ist: Wenn an seinem Ende die regenerierte gesellschaftliche, familiäre oder politische Ordnung steht, oder wenn all diese Bereiche durcheinander geraten sind.

In den Blick gebracht werden auf den Literaturtagen sowohl das Volksfest als auch die Familienfeier, der Festakt wie das Event, die ›Spaßgesellschaft‹ wie der unabgegoltene religiöse Untergrund heutiger Feste. Dabei interessieren Fest und Ritual nicht allein als Gegenstände, sondern auch als Zustände der Literatur. Schließlich kennt das Schreiben selbst seine rituellen Momente – und nicht zuletzt stellt das Fest in Gestalt von Preisverleihungen, Verlagsempfängen und Festivals auch eine stabile Größe des Literaturbetriebs dar.


Übersicht Literaturtage des ZfL der vergangenen Jahre

Abb. oben: © Dirk Naguschewski