Internationales Symposium am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) Berlin
18.05.2017 – 20.05.2017

Figuren der Stellvertretung / Representing Agency

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, Trajekte-Tagungsraum
Organisiert von Friedrich Balke (Universität Bochum), Rüdiger Campe (Yale University), Katrin Trüstedt (Universität Erfurt)

Gefördert durch Deutsche Forschungsgemeinschaft, Forschergruppe »Medien und Mimesis (FOR 1867), Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

Die Konstruktion literarischer Rede, die Bildung rechtsfähiger Personalität und die Konstitution handlungsfähiger Subjektivität ist grundlegend auf Stellvertretung angewiesen. Um erzählbare Figur, rechtliche Person, handlungsfähiges Subjekt sein zu können, muss man auftreten und durch die eigene Erscheinung vertreten und vertretbar werden. Person zu sein heißt so seit Hobbes nichts anderes als Vertreter seiner selbst zu sein. Das Symposium will die komplexe Szene der Stellvertretung – eine Instanz vertritt eine andere vor einer dritten – als ein Grundmodell von Intersubjektivität erschließen, das sich weder auf eine einfache Zweier- noch eine Dreier-Konstellation reduzieren lässt. Die Vorträge beleuchten die jeweils unterschiedliche literarische, juridische und philosophische Ausgestaltung dieser Szene und beziehen die modernen Institutionen der Stellvertretung zurück auf die antike Rhetorik der Fürsprache, ihre Entsprechung in der rhetorischen Wirkungspoetik sowie das theologische Paradigma der potestas vicaria. Dem Symposium geht es dabei ebenso sehr um die ermöglichenden Leistungen der Stellvertretung, die den vertretenen Instanzen Evidenz, Anerkennung und Handlungsfähigkeit zu versprechen scheinen, wie um die Bedrohung der Vertretenen durch ihre Spaltung oder Verdoppelung – durch Stellvertreter und institutionelle Rahmungen, die die Vertretenen zu verdecken oder ersetzen, sie zu vereinnahmen oder zu isolieren drohen. Vor dem Hintergrund dieses Doppelcharakters wird auch die gegenwärtig zunehmende Ausweitung und Entgrenzung von Stellvertretungsparadigmen über das Subjekt hinaus eine besondere Rolle spielen: die potentielle Vertretung von Dingen oder Tieren, Maschinen oder Kollektiven, Planeten oder Zukünften.

Programm

Donnerstag, 18.05.2017

15.00–15.30 Einführung
Moderation: Alexandra Heimes (ZfL)

  • Katrin Trüstedt (Universität Erfurt): Figuren der Stellvertretung / Representing Agency

15.30–19.00 Akteure, Erzähler, Autoren: Literatur der Stellvertretung
Moderation: Karine Winkelvoss (ZfL/Université de Rouen)

  • Kerstin Stüssel (Universität Bonn): Zeiten der Stellvertretung: Limitierungen und Entgrenzungen
  • Rupert Gaderer (Ruhr-Universität Bochum): Mimetischer Parasitismus: Michael Kohlhaas in Karlsruhe
  • Rüdiger Campe (Yale University): Actor, Orator. Passion of Representation or Representation of Passion

 

Freitag, 19.05.2017

10.00–12.30 Personen, Dinge, Advokaten: Recht der Stellvertretung
Moderation: Stefan Willer (ZfL)

  • Friedrich Balke (Ruhr-Universität Bochum): Was heißt Dinge repräsentieren? Ausweitungen der Stellvertretung
  • Petra Gehring (TU Darmstadt): Mutmaßlich einwilligen. Autonomiesemantik, Entscheidungspathos und Stellvertretungsdispositive am Lebensende

14.00–17.30 Autorisieren, Beglaubigen, Bürgen: Sprachen der Stellvertretung
Moderation: Thomas Khurana (University of Essex)

  • Mario Biagioli (UC Davis) / Alain Pottage (London School of Economics): Porte-parole; the Representation of Authorship
  • Jennifer Culbert (Johns Hopkins University): Re-presenting Agency: Speech Acts and the Vibrancy Language
  • Alain Pottage (London School of Economics): Self-appointment

18.00–19.30 Paneldiskussion: Jenseits des Subjekts
mit: Andreas Fischer-Lescano (Universität Bremen), Katrin Trüstedt (Universität Erfurt), Daniel Weidner (ZfL)
Moderation: Dirk Setton (Goethe-Universität Frankfurt a.M.)


Samstag, 20.05.2017

10.00–13.30 Bürger, Repräsentanten, Souveräne: Politik der Stellvertretung
Moderation: Kolja Möller (Goethe-Universität Frankfurt a.M.)

  • Anne Fleckstein (Ruhr-Universität Bochum): Fürschreiben in Truth and Reconciliation Commissions
  • Jana Costas (Europa-Universität Viadrina): Representing the Organization: Power, Subjectivity and Resistance
  • Dieter Thomä (Universität St. Gallen): Die Author-Actor-Audience-Theorie bei Thomas Hobbes und Donald Trump