Workshop
11.12.2014 – 12.12.2014

Goethe um 1900

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et.
Kontakt: Claude Haas

Programm

Donnerstag, 11.12.2014
10.00
Begrüßung und Einführung

10.30–12.30

  • Jürgen Oelkers (Zürich): Pädagogische Provinz. Goethe, Fichte und die Landerziehungsheime
  • Johannes Steizinger (Wien): Vorbild, Modell und Ideal. Zur Bedeutung Goethes in Wilhelm Diltheys »Philosophie des Lebens«

14.00–16.00

  • Daniel Weidner (ZfL): Überwert und individuelles Gesetz. Simmels »Goethe« auf der Schwelle von Lebens- und Kulturphilosophie
  • Enno Rudolph (Luzern): Goethe in der Kontroverse. Ernst Cassirer und Georg Simmel

16.30–18.30

  • Ulisse Doga (Berlin): Die Versöhnung des Problematischen. Goethe im Werk des jungen Georg Lukács
  • Eva Geulen (Frankfurt a.M.): Entzug der Form in der Form. Goethes »Pandora«

Freitag, 12.12.2014
10.00–12.00

  • Alexander Honold (Basel): Goethe im Kontrapunkt. Autorschaftskonzepte bei Thomas Mann
  • Alexander Schwieren (Freiburg): »Lebensvollendung«. Von den Goethe-Lektüren des frühen 20. Jahrhunderts zur Entstehung der Gerontologie

13.00–15.00

  • Claude Haas (ZfL): »Erholung« und »Ermunterung«. Goethes Harmlosigkeit seit 1900
  • Stefan Willer (ZfL): »Er–pathologisch?« Goethe-Pathographien um 1900

Ende des 19. Jahrhunderts wird Goethe zunehmend zum zentralen Autor der deutschen Literatur. Die Leserschaft steigt, zahlreiche Freundeskreise entstehen, die Goethephilologie floriert. Auch gibt es wichtige Texte von Philosophen und Kritikern, sogar von Naturwissenschaftlern, in denen Goethe in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt. Dabei wird die Figur ›Goethe‹ zum einen Gegenstand kultureller Identifikation, zum anderen aber auch epistemologisch paradigmatisch für die Verbindung historischer und morphologischer Methoden und für die Suche nach einem Zusammenhang des ›Lebens‹, der auch die Beziehungen zwischen den Wissenschaften rekonfigurieren soll.

Der Workshop will die diskurspolitischen und  epistemologischen Implikationen dieser doppelten Goethe-Konjunktur diskutieren. Die leitende These ist dabei die, dass der Figur Goethes und der mit Goethe assoziierten Semantik des ›Lebens‹, der ›Form‹, des ›Individuums‹ usw. für die sich formierenden Diskurse der ›Geisteswissenschaften‹ eine konstitutive Bedeutung zukommt. Zu fragen ist in erster Linie, ob ›Goethe‹ hier nur als Pathosformel zitiert wird, um die Metareflexion der Wissenschaft zum Stillstand zu bringen, oder ob solche Denkfiguren sich als reflexiv produktiv erweisen. Vermittelt über die Figur Goethes – über Goethe-Lektüren, Goethe-Adaptionen, Goethe-Bilder – soll damit auch die epistemologische Situation der Geistes- und Kulturwissenschaft um 1900 schärfer erkennbar werden. Dies nicht zuletzt angesichts ihrer Aktualität hinsichtlich gegenwärtiger Verhandlungen über die Rolle von Geistes- und Kulturwissenschaften in der Wissensgesellschaft und angesichts neuer Deutungsansprüche der sog. ›Lebenswissenschaften‹.

Abb. oben: Goethe-Skulpturen auf dem Uni-Gelände in Frankfurt am Main, Foto: © Peter Nausester

Publikationen

Claude Haas, Johannes Steizinger, Daniel Weidner (Hg.)

Goethe um 1900

LiteraturForschung Bd. 32
Kulturverlag Kadmos, Berlin 2017, 291 Seiten
ISBN: 978-3-86599-349-6