Workshop
26.11.2015 – 27.11.2015

Konjunkturen der philosophischen Anthropologien

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum 308

Programm

(Stand: 17.11.2015)
Donnerstag, 26.11.2015

Fragestellungen der Gegenwart

14.00–16.00

  • Matthias Wunsch (Kassel): Der Tier-Mensch-Unterschied in Michael Tomasellos evolutionärer Anthropologie
  • Georg Toepfer (ZfL): Konjunkturen einer Grundthese der Philosophischen Anthropologie. Die Sonderstellung des Menschen 1928 und heute

Anfänge

16.30–18.30

  • Daniel Weidner (ZfL/HU Berlin): »Der Theomorphismus des Menschen«. Max Schelers Anthropologie und die religiöse Tradition
  • Ernst Müller (ZfL): Mannheims wissenssoziologische Kritik an Schelers ›generalisierter Wesenslehre vom Menschen‹

Freitag, 27.11.2015

Anschlüsse nach 1945

9.00–11.00

  • Gerald Hartung (Wuppertal): Pessimistische Anthropologie. Gehlen, Landmann, Horkheimer
  • Joachim Fischer (Dresden): Hat Arnold Gehlen in der Philosophischen Anthropologie systematisches Gewicht?

11.30–12.30

  • Petra Boden (Berlin): Geschichtsphilosophie vs. Anthropologie. die Forschungsgruppe Poetik und Hermeneutik

14.00–16.00

  • Francesca Michelini (Kassel): Was fundiert Existenz? Helmuth Plessner und Hans Jonas im Vergleich
  • Hans-Peter Krüger (Potsdam): Lebenswissenschaft, Globalisierung und künftige Geschichtlichkeit. Zur Aktualität von Plessners Philosophischer Anthropologie

16.30–18.30

  • Mark Schweda (Göttingen): Menschsein zwischen Natur und Geschichte. Zur Anthropologie und ihrer Kritik bei Joachim Ritter und seinen Schülern
  • Herbert Kopp-Oberstebrink (ZfL): Legitimität, Rationalität, Prävention? Hans Blumenberg und die Philosophische Anthropologie

Der Workshop geht von der Beobachtung immer neuer Renaissancen der philosophischen Anthropologie bis in unsere Gegenwart hinein aus. Diese vollzogen und vollziehen sich als Renaissance einzelner Autoren, unter Ausrufung »Anthropologischer Wenden« oder auch unter neuen Titeln wie »Philosophie der Lebenswissenschaften« oder »Anthropologie 2.0«.

Seit der anthropologischen Initialzündung im Jahre 1928 ist Philosophische Anthropologie in wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive Auseinandersetzung mit den einschlägigen, an der Biologie orientierten Theorien Schelers oder Plessners, in systematischer Hinsicht dagegen der Versuch zur Integration der auf den einzelnen biologischen Disziplinen beruhenden Befunde zum Menschen. Philosophische Anthropologie ist also nur im Plural stets neuer Um- und Fortschreibungen, theoretischer Konfigurationen und theoriegeschichtlicher Konstellationen zu fassen. So betrachtet findet die Arbeit an der Philosophischen Anthropologie auch immer im Modus der Rezeption ihrer Anfänge bei Scheler und Plessner statt, als deren Fortbildung, Transformation oder aber kritische Erweiterung.

Diese Arbeit an der Philosophischen Anthropologie vollzieht sich jeweils innerhalb zeitgenössischer theoriegeschichtlicher Konstellationen, in wechselseitiger Abgrenzung zu konkurrierenden Entwürfen. Philosophische Anthropologie geriet auf diese Weise auch zu einer in ihren Grundelementen akzeptierten Basis für die Aufpfropfung heterogener Theorieteile, für Amalgamierungen aller Art oder für theoretischen Eklektizismus, der die Anbindung kulturwissenschaftlicher oder kulturphilosophischer Bestände ermöglicht. Das bedeutet, dass die Konjunkturen der Philosophischen Anthropologie auch immer etwas über die Signaturen der jeweiligen Epochen aussagen, in denen es zu einer Neuauflage kam.