Internationale Jahrestagung des ZfL
01.12.2011 – 03.12.2011 · 15.00 Uhr

nachDenken. Internationale Wirkungsgeschichte der deutschsprachigen Geisteswissenschaften und ihrer Sprache

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum 308

Programm

Die aktuelle Kontroverse über den Gebrauch des Deutschen oder Englischen in wissenschaftlichen Publikationen und Gesprächen betrifft die Geistes- und Kulturwissenschaften nicht nur wegen des überwiegend sprachlichen Status ihrer Gegenstände in besonderer Weise, sondern auch weil ihre Begriffe, Methoden und Denkstile nicht von der Sprache zu lösen sind.
Um das gegenwärtige Pro und Contra, das im Gegensatz zwischen Globalisierungs- und Traditions-Argumenten erstarrt ist, zu überschreiten, gilt es, eine andere Grundlage für die Debatte zu gewinnen: Welche spezifischen Erkenntnisweisen und welche hermeneutischen, philologischen, begriffsgeschichtlichen, geschichts- oder bildwissenschaftlichen Theorien sind es denn, die u.a. mit dem Verzicht auf das Deutsche als Wissenschaftssprache verloren gingen? Gibt es ein epistemologisches Potenzial aus der Wissenschaftsgeschichte der deutschen Geisteswissenschaften, das in der sich weiter internationalisierenden Forschungslandschaft nicht ohne Not verschwinden sollte? Damit geht es um die Frage nach dem vergangenen und künftigen Ort der deutschsprachigen Geisteswissenschaften in der internationalen Wissenschaft.

(Stand: 20.09.2011)

Donnerstag, 01.12.2011

15.00–17.00 Uhr
Irmela Krüger-Fürhoff, Dirk Naguschewski: Begrüßung und Moderation

Sigrid Weigel (ZfL): Erbschaften und Potenziale. Zu den zwei Seiten der deutschsprachigen Geisteswissenschaften

Angelika Neuwirth (FU Berlin): Vom Historismus über die Muhammad-Forschung zur Enthistorisierung. 200 Jahre kritische Koranforschung


17.30–19.30 Uhr
Moderation: Judith Elisabeth Weiss

Andreas Beyer (Paris): Eine Kunst, viele Sprachen. Zur Internationalität der Kunstgeschichte

Sabine Meine (Venedig): Karriere im Exil. Der Fall des Musikwissenschaftlers Alfred Einstein


20.00 Uhr
Abendvortrag
Michael Hagner (Zürich): Monolingualismus, Hyperprofessionalität und die Krise der Urteilskraft
Moderation: Irmela Krüger-Fürhoff


Freitag, 02.12.2011
09.30–11.30 Uhr
Moderation: Stefan Willer

Hinrich C. Seeba (Berkeley): Sprachlichkeit des Denkens. Ein Paradigma der Hermeneutik in der kulturwissenschaftlichen Praxis

John Hamilton (Harvard): Die Rezeption der Rezeption. Wilhelm Dilthey in den USA


12.00–13.00 Uhr
Moderation: Martin Treml

Paul Fleming (Cornell): Die Narbe Auerbachs. Mimesis in den USA


14.30–15.30 Uhr
Moderation: Margarete Vöhringer

Michael D. Gordin (Princeton): Die Allgemeinsprache der Slawen. Deutsch als Wissenschaftssprache in Russland im 19. Jahrhundert


16.00–18.00 Uhr
Moderation: Anne-Kathrin Reulecke

Stephan Braese (Aachen): Deutsch als Wissenschaftssprache in der Praxis Sigmund Freuds und Victor Klemperers

Birgit R. Erdle (London/Frankfurt a.M.): Polyglotterien. Psychoanalytische Sprachforschung von ostmitteleuropäischen Intellektuellen, 1920–1938


19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10115 Berlin

Abendvortrag
Hans Ulrich Gumbrecht (Stanford): Wie deutsch waren die Geisteswissenschaften – und sollten sie sein?

Podiumsdiskussion
Michael Jeismann im Gespräch mit
Andreas Beyer (Paris), Hans Ulrich Gumbrecht (Stanford), Jürgen Trabant (Berlin/Bremen), Sigrid Weigel (ZfL)


Samstag, 03.12.2011
10.30–12.30 Uhr
Moderation: Daniel Weidner

Udi E. Greenberg (Dartmouth): German Religious Thought in the US

Leopoldo Waizbort (São Paulo): Zur Rezeption deutschsprachiger Sozialphilosophie in Brasilien


14.00–16.00 Uhr
Moderation: Ernst Müller

Faustino Oncina Coves (Valencia): Reinhart Koselleck. Querdenker der Geisteswissenschaften

Justus Fetscher (Mannheim): Wortverbindungen, mystische Terminologie. Potenziale der Begriffsbildung im Deutschen


16.30–18.30 Uhr
Moderation: Birgit Griesecke

Eva Cancik-Kirschbaum (FU Berlin): Babylons 'Eigenbegrifflichkeit' als Programm

Thomas Macho (HU Berlin): Denkstile. Anmerkungen zur Ideengeschichte, unter Bezug auf Lovejoy und Huizinga


Finissage

Medienecho

07.12.2011
Deutsch in der Wissenschaft: Das Schwere

Artikel von Tomasz Kurianowicz, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 07.12.2011

06.12.2011
Zur Stimmung der Geisteswissenschaften [PDF]

Hans Ulrich Gumbrechts Abendvortrag auf der Jahrestagung nachDenken des ZfL. Blogeintrag von Torsten Flüh, in: nightoutatberlin.jaxblog.de vom 06.12.2011