Zur Theorie und Existenz des autonomen Schriftstellers
Program
Pierre Bourdieu hat die Geschichte des modernen literarischen Feldes als die "Institutionalisierung von Anomie" rekonstruiert und damit provokativ die neuen Zwänge namhaft gemacht, denen der von der alten Auftragskunst emanzipierte Dichter ausgesetzt ist. Neben der Analyse dieser mannigfaltigen Determinanten gilt die Aufmerksamkeit des Workshops näherhin dem Thema der öffentlichen Verantwortung des Schriftstellers, diskutiert die seit dem 18. Jahrhundert in vielfacher Ausprägung zu studierende Dialektik von Engagement und Degagement. Mustert man die zahlreichen Schriftstelleraktivitäten und -rückzüge, die erneuten Engagements und neuen Enttäuschungen, Positionswechsel etc., wird die Notwendigkeit sichtbar, die diese Einzelfälle womöglich fundierenden Strukturen freizulegen und ihnen typische Textfiguren, Reaktionsformen und Verhaltensmuster zuzuordnen. In den Blick geraten dabei auch die topisch gewordenen Figuren des Repräsentanten, des Volkstribuns, des Märtyrers und des poète maudit ohne feste Adresse.