Anja Keith, Detlev Schöttker (Hg.)

Einer der Spiegel des Anderen
Briefwechsel 1922–1960

Klett-Cotta, Stuttgart 2021, 720 Seiten
ISBN 978-3-608-93953-8

Der Briefwechsel zwischen Gretha und Ernst Jünger geht über eine Korrespondenz zwischen Ehepartnern weit hinaus. Er liefert nicht nur Einblicke in das Privat- und Alltagsleben eines Paars zwischen Bohème und Familie, sondern ist auch ein zeitgeschichtliches und literarisches Dokument ersten Ranges.
Über vier Jahrzehnte erstreckt sich der vielschichtige Briefwechsel zwischen Gretha und Ernst Jünger. Nach anfänglichen Liebesbekundungen geht es in den Briefen seit den späten 1920er Jahren um die Organisation des Familienalltags, den Freundeskreis, die politischen Verhältnisse und nicht zuletzt das Werk Ernst Jüngers. Besonders intensiv wird der Briefwechsel im Zweiten Weltkrieg, als Jünger im Führungsstab der Wehrmacht in Paris tätig war, während seine Ehefrau am Wohnort in Kirchhorst bei Hannover den Bombenkrieg miterlebte. Gretha Jünger wird nun zur Chronistin der Ereignisse, sodass die Tagebücher Ernst Jüngers (»Strahlungen«) in einem neuen Licht erscheinen. Aus den knapp 2.000 überlieferten Schreiben haben Anja Keith und Detlev Schöttker 350 Briefe aus den Jahren 1922 bis 1960 ausgewählt und erläutert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Zeit des Zweiten Weltkriegs, sodass der Ehebriefwechsel zu einem einzigartigen Spiegel der Zeitgeschichte wird.

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»Die Ausgabe von Keith und Schöttker besticht durch die elaborierte historische Einordnung, Unterteilung und Organisation des Materials und ermöglicht einen tiefen Einblick in die Psychen, Liebes- und Leidensgeschichten, politischen Ansichten, (freundschaftlichen) Netzwerke und kreativen Arbeitsprozesse von Gretha und Ernst Jünger.«
Mart Ortmann, H-Soz-Kult vom 15.9.2023
 
»Sich ansprechen zu lassen, ohne abzulenken, ist eine Tugend. Genau das zeigt das Briefgespräch selbst; dass das durch die Editionsprinzipien subtil unterstrichen wird, ist bemerkenswert.«
Christophe Fricker, literaturkritik.de vom 1.4.2022
 
»Der Briefwechsel, kurzum, bietet eine Fundgrube von Zitaten für die Ernst-Jünger-Forscher – und dem Publikum die Beobachtung eines bis zur Schäbigkeit egomanen Charakters, der eine begabte, an Feinheit der Empfindung überlegene Frau an seiner Seite seelisch verhungern ließ.«
Jens Jessen, ZEIT vom 11.11.2021
 
»Man kommt sich fast wie ein Spion vor, während man diese bewegenden und sehr persönlichen Aufzeichnungen liest. Sie bieten einen ungewohnten Blick in die Wärmezonen eines Schriftstellers, der als Musterbeispiel für die Verhaltenslehren der Kälte gilt.«
Wolfgang Schneider, Büchermarkt im Deutschlandradio vom 8.11.2021
 
»›Einer der Spiegel des Anderen‹ erzählt eine tragische Liebesgeschichte und so viel mehr als das, auch als hoch persönliches Zeitdokument ist diese Edition eine veritable Sensation.«
Jörg Magenau, Süddeutsche Zeitung vom 29.10.2021

Medienecho

15.09.2023
Einer der Spiegel des Anderen. Briefwechsel 1922–1960

Rezension von Marc Ortmann, in: H-Soz-Kult, 15.9.2023

16.02.2023
Warum sollte man heute noch Ernst Jünger lesen – vor allem als Frau?

Beitrag von Erhard Schütz, in: Der Freitag 7 (2023)

30.10.2022
Schöner schreiben. Der womöglich kälteste Liebesbrief der Literaturgeschichte

Kolumne von Hauke Goos, in: Spiegel, 30.10.2022

01.04.2022
Großes Kino, das auf Antwort wartet

Rezension von Christophe Fricker, in: literaturkritik.de, 1.4.2022

31.03.2022
Schreiben an der Klippe

Rezension von Erik Zielke, in: Neues Deutschland, 31.3.2022

23.12.2021
Wir schätzen beide das Alltägliche nicht

Rezension von Katharina Teutsch, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 299 (23.12.2021), 10

11.11.2021
Liebe im Kältebad

Der Briefwechsel Ernst Jüngers mit seiner ersten Frau Gretha ist ein faszinierendes Dokument der Ehehölle. Rezension von Jens Jessen, in: Die Zeit 46 (11.11.2021), Feuilleton, 61

08.11.2021
Gretha und Ernst Jünger: »Einer der Spiegel des Anderen. Briefwechsel 1922–1960«

Rezension von Wolfgang Schneider, in: Deutschlandfunk, Sendung: Büchermarkt, 8.11.2021

29.10.2021
Ein weicher, verletzlicher Mann

Am Anfang nannte sie ihn regelmäßig »Schneckolino«: Der Briefwechsel zwischen Ernst Jünger und seiner Frau Gretha erzählt eine tragische Liebesgeschichte – und mehr. Über ein hoch persönliches, sensationelles Zeitdokument. Rezension von Jörg Magenau, in: Süddeutsche Zeitung 251 (29.10.2021), Feuilleton, 9

26.10.2021
In Stilgewittern

Rezension von Hendrikje Schauer, in: Tagesspiegel, 26.10.2021

21.10.2021
Gretha und Ernst Jünger: »Einer der Spiegel des Anderen«

Rezension von Jörg Magenau, in: rbb, Sendung: Der Morgen, 21.10.2021

17.10.2021
»Bleibe in Babel«

Gretha und Ernst Jünger waren 38 Jahre lang ein Paar. In ihrem Briefwechsel ist der Schriftsteller ein ganz anderer Mann als in seinen Kriegsromanen. Vorabruck in: Welt am Sonntag 42 (17.10.2021), 47, Ressort: Kultur