Workshop
03.07.2014 – 04.07.2014

Figurationen der Störung

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et.
ZfL-Projekt(e): Kulturen des Wahnsinns

Programm

Autorenworkshop auf der Grundlage vorab zirkulierender Texte, Anmeldung erforderlich.

Do, 03.07.2014
15.30
Begrüßung und Einführung

16.00–17.00
Text 1 Anne Gnausch: Der Drogenkonsument als Störfigur im urbanen Raum
Kommentar I: Joachim Häberlen
Kommentar II: Jörg Potthast

17.15–18.15
Text 2 Dorothea Dornhof: Der Spekulant. Kulturtechniken des Ökonomischen
Kommentar I: Anke te Heesen
Kommentar II: Hans Georg Hofer

18.30–19.30
Text 3 Volker Hess, Anne Gnausch: Die urbane Störfigur des Selbstmords
Kommentar I: Jörg Potthast
Kommentar II: Rakefet Zalashik


Fr, 04.07.2014
9.30–10.30
Text 4 Gabriele Dietze: ›Affektstörungen‹. Wilhelminismus und Moderne
Kommentar I: Moritz Ege
Kommentar II: Alexa Geisthövel

10.45–11.45
Text 5 Thomas Beddies, Judith Hahn: Psychiater als Pathographen der Revolution
Kommentar I: Hans Georg Hofer
Kommentar II: Alexa Geisthövel

12.00–13.00
Text 6 Sabine Fastert: Mandala, Ornament und das kreative Potenzial der Störung
Kommentar I: Margarete Vöhringer
Kommentar II: Chantal Marazia

13.45–14.45
Text 7 Sonja Mählmann, Cornelius Borck: Hinter den Kulissen. Angehörige inmitten Irrsinn, Institution und Irritation
Kommentar I: Rakefet Zalashik
Kommentar II: Moritz Ege

15.00–16.00
Text 8 Sophie Ledebur, Johannes Kassar: Präsenz und Geistesstörung. Zur Herstellung von Zeugenschaft in der forensischen Psychiatrie um 1900
Kommentar I: Margarete Vöhringe
Kommentar II: Stefan Willer

16.15–17.00
Abschluss: Perspektiven der Weiterarbeit am Band

Die Forschergruppe »Kulturen des Wahnsinns« untersucht Interferenzen zwischen Wissen und Wahn in der sich entfaltenden Großstadtkultur. Auf dem Workshop sollen die Beiträge für einen Abschlussband diskutiert werden. Dafür hat sich die Gruppe intensiv mit dem Thema »Störung« im psychiatrischen wie urbanen Kontext auseinander gesetzt. Mit der Figur des Störenden lassen sich Prozesse, Orte und Praktiken des Urbanen und des Wahnsinns auf vielen verschiedenen Ebenen beschreiben und zueinander in Beziehung setzen: Anstalt und (Poli-)Klinik als kontrollierte Orte des Wahnsinns, städtische Räume und Milieus als alltägliche Foren der Aushandlung von Routinen und Alterität usw. Wie lassen sich diese Räume als Textur aus Infrastrukturen, Imaginationen und Alltagspraktiken begreifen? Welche Kräfte wirken wo und welche Effekte zeitigen sie? Wie beschreiben wir solche Gefüge von Räumlichkeiten, Diskursen und Routinen, die Gewebe performativer, materieller und imaginärer Elemente?
Die Figur des Störenden verweist auf das Ephemere und Kontingente im Prozess der Herausbildung urbaner Lebenswelten. In der Figur des Störenden treten die Relationen ebenso hervor, wie sich auch Unterbrechungen, Dissonanzen und Widersprüche sichtbar machen lassen. Störungen lassen sich auf menschliche wie nicht-menschliche Akteure beziehen, zu sozialen wie räumlichen Umgebungen und zu als »normal« klassifizierten Routinen in Relation setzen. Störung wird in Narrativen und Visualisierungen, als mediale Repräsentation oder als Problematisierung alltäglicher Routinen fasslich. In diesem Sinne dient die Figur des Störenden den Beiträgen des Abschlussbandes als Sonde, um jene Vermittlungswege und Resonanzen, Stoßkanten und Reibungsflächen, Bruchzonen und Verwerfungen urbanen Lebens auszuloten, an denen Wahnsinn aufscheint und sich artikuliert, vermittelt und fixiert wird. Die Literatur zur epistemischen, historischen und kulturellen Produktivität der Störung ist bereits mehr als umfangreich, ihr müssen keine weitere Beispiele hinzugefügt werden. Vielmehr wollen wir mit der Fokussierung auf das Störende und die Figur des Störenden das Augenmerk auf die Verflechtungen und Disjunktionen zwischen Störung und städtischem Raum legen, auf den Wahnsinn als konstitutives Moment urbanen Lebens.