Interdisziplinärer Workshop
21.02.2013 – 23.02.2013

Sehstörungen. Grenzwerte des Visuellen in Künsten und Wissenschaften

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum

Programm

(Stand: 20.02.2013)

Donnerstag, 21.02.2013
14.30
Anne-Kathrin Reulecke (Karl-Franzens-Universität Graz), Margarete Vöhringer (ZfL): Begrüßung und Einleitung

15.15
Anne-Kathrin Reulecke: Double-blind. Psychogene Sehstörungen

16.00–16.45
Mona Körte (ZfL): Die Tücke des Details. Gesichtsblindheit als Fallgeschichte in der (medizinischen) Literatur

17.15–18.00
Irina Sandomirskaja (Södertörn University Stockholm): A Hegemony of the Senses: Vygotsky on (Deaf-) Blindness as a Political Paradigm

19.00
Evgen Bavčar (Fotograf und Autor, Paris): Präsentation von Photographien und Vortrag
Achtung: Vortrag und Präsentation wurden kurzfristig aus Krankheitsgründen abgesagt!

Freitag, 22.02.2013
10.00
Alexandra Tacke (HU Berlin): Blinde im Blick. Evgen Bavčar, Sophie Calle, Bettina Rheims, Martin Roemers

10.45–11.30
Volkmar Mühleis (Sint-Lucas Kunsthochschule Gent): Blindheit und Kunst

12.00–12.45
Kai Nonnenmacher (Universität Regensburg): Blindheit und literarische Autonomie

14.00
Burkhardt Wolf (HU Berlin): Der befremdete Blick. Musils Experimentalprotokolle

14.45–15.30
Sigrid Leyssen (Centre Alexandre Koyré Paris): »Say what you see in the apparatus«. Albert Michotte's disc method for distinguishing between seeing and believing

16.00
Mara Mills (NYU Steinhardt School of Culture, Education, and Human Development): Testing Vision With Print

16.45
Nina Rippel (Leuphana Universität Lüneburg): »Der Geflüsterte Film« (BRD 1992, 67 Min.). Präsentation und Diskussion des Filmes

Samstag, 23.02.2013
10.30
Bernd Stiegler (Universität Konstanz): Conan Doyle und die Photographie

11.15
Peter Bexte (Kunsthochschule für Medien Köln): Visuelle Medien als Sehstörung. Oder: Wie Marshall McLuhan mit einem vormals Blinden Fernsehen schaute, und was dabei geschah

Ob in physiologischen, philosophischen oder psychoanalytischen Diskursen; ob in der Literatur, der bildenden Kunst oder im Film: Stets sind es der Ausfall des Visuellen, die Trübung des Blicks oder die Einschränkung des Sichtfeldes, die Auskunft darüber geben sollen, wie das Sehen funktioniert. Das Wissen vom Sehen wie auch das Wissen vom Auge konstituieren sich maßgeblich über die Grenzen des Sehens. Der interdisziplinär zwischen Wissenschaftsgeschichte und Kulturwissenschaft angelegte Workshop befasst sich vor diesem Hintergrund mit dem weiten Feld der ›Sehstörungen‹ und ihren Effekten für Epistemologie, Subjektkonstitution und Kunstproduktion.
Neben den medizinisch diagnostizierbaren Befunden (Schielen, Kurz- und Weitsichtigkeit, Blindheit) wird es um jene visuellen Wahrnehmungsstörungen gehen, die Übergänge vom Optischen zum Neurologischen bzw. vom Psychischen zum Physischen markieren: die Synästhesie, die psychogene Agnosie, die Stereo-, Wort- oder Gesichtsblindheit oder auch das Zwinkern, Blinzeln oder Weinen. Denn gerade an ihnen wird deutlich, dass das Auge als Organ nicht vom Körper und vom Subjekt isoliert werden kann und dass das Sehen keine rein physiologische Fähigkeit, sondern vielmehr eine sozial und kulturell präfigurierte Aktivität und damit auch ein historisches Phänomen ist.

Veranstaltung zum ZfL-Semesterthema: An/Sichten im Wintersemester 2012/2013

 

Abb. aus: J. M. Heaton: The Eye. Phenomenology and Psychology of Function and Disorder. London 1968