Das Leben schreiben
Warlam Schalamow: Biographie und Poetik

Matthes & Seitz Berlin, 2022, 540 Seiten
ISBN 978-3-95757-037-6

Der Dichter und Schriftsteller Warlam Schalamow hegte keine Zweifel daran, ein eigenständiges Wort in der Literatur gesprochen zu haben. Die ersehnte Anerkennung blieb ihm jedoch zeitlebens versagt. Sein Hauptwerk, die sechs Zyklen der Erzählungen aus Kolyma, die das Geschehen in den Zwangsarbeitslagern des Gulag am Kältepol der Erde reflektieren, erschien posthum nach Auflösung der Sowjetunion. Schalamow lebte in einer von Brüchen und Verlusten gezeichneten Zeit russischer Geschichte, in der sich kaum jemand der bedrohlichen Macht der Politik zu entziehen vermochte. Zum Widerstand wurde ihm dabei die Dichtkunst. Franziska Thun-Hohenstein erzählt in der ersten umfassenden Biographie fesselnd vom Leben und Werk Schalamows, ohne sie einer einfachen Entwicklungslogik unterzuordnen. So stehen auch hier Widersprüchliches und Fragmentarisches nebeneinander und beleuchten ein einzigartiges und auf brutale Weise von seiner Zeit geschundenes Leben. Die Kraft, seiner Zeit zu widerstehen und einen lebenslangen Kampf um die Wahrung der Eigenständigkeit im Leben wie im Schreiben zu führen, schöpfte Warlam Schalamow sein Leben lang – als Kind, als junger Mann wie nach der Kolyma – aus der Kunst, aus der Dichtung.

Veranstaltung

Buchvorstellung
09.11.2022 · 19.00 Uhr

Das Leben schreiben. Warlam Schalamow: Biographie und Poetik

Haus für Poesie, Knaackstr. 97, 10435 Berlin

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Medienecho

07.11.2022
Wolfwerdung im russischen Straflager

Rezension von Anne-Catherine Simon, in: Die Presse, 7.11.2022, 23