ZfL INFO 74/2024: Neue Bände in der Reihe »Historische Geisteswissenschaften«
Historische Geisteswissenschaften
Seit 2024 ist das ZfL Teil des Herausgebergremiums der Reihe »Historische Geisteswissenschaften«. Die bei Wallstein erscheinende Reihe behandelt Fragen, die für das Selbstverständnis der Geisteswissenschaften wichtig sind. Sie wird vom ZfL gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und dem Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften in Frankfurt am Main herausgegeben.
Sandra Maß
Zukünftige Vergangenheiten
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Die Debatte um das neue Erdzeitalter Anthropozän prägt auch die historischen Wissenschaften. Forderungen nach neuen Methoden, neuen Quellen und neuen Narrativen bestimmen das Feld. Fragen nach der Bedeutung der Natur, der Ausdehnung der Zeit und der Rolle des menschlichen Akteurs berühren die Geschichtswissenschaft im Kern ihres disziplinären Selbstverständnisses. Um unter den Bedingungen des sich abzeichnenden Klimawandels noch über relevante Deutungsmacht zu verfügen, muss sich auch die Geschichtswissenschaft wandeln.
Die Autorin führt durch die internationale Debatte um das Anthropozän, sucht nach Zusammenhängen und Anknüpfungspunkten und schlägt vor, neue Narrative von Kontamination und Relation zu entwickeln.
Sandra Maß ist Professorin für transnationale Geschichte des 19. Jahrhunderts an der Ruhr-Universität Bochum. Sie wurde 2004 am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz mit einer Arbeit über koloniale Männlichkeit in Deutschland promoviert und habilitierte sich an der Universität Bielefeld zur Kindheits- und Kapitalismusgeschichte. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Kolonialgeschichte Europas, das Anthropozän und die globale Kindheits- und Familiengeschichte.
https://www.zfl-berlin.org/publikationen-detail/items/zukunftige-vergangenheiten.html
David Motadel
Globale Monarchie
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Die Monarchie ist eine der globalhistorisch ältesten politischen Institutionen der Menschheit. Im imperialen Zeitalter fielen die meisten außereuropäischen Monarchien dem europäischen Kolonialismus zum Opfer. Für die wenigen außereuropäischen Fürstenhäuser, die ihre Unabhängigkeit bewahrten, waren die Beziehungen zu den Höfen Europas von existentiellem politischem Interesse. Unter anderem bereisten der osmanische Sultan, der König von Siam, der König von Hawaii und der persische Schah im Zeitalter des Hochimperialismus Europa. Sie alle wurden in den europäischen Hauptstädten mit dem im 19. Jahrhundert bei Monarchenbesuchen üblichen Zeremoniell empfangen.
Im vorliegenden Band wird die Geschichte dieser Europareisen beleuchtet. Es wird gezeigt, wie die Monarchen ihr Land während der Staatsbesuche an den Höfen Europas repräsentierten, inwieweit Rituale wie der Austausch von Geschenken, die Verleihung von Orden und die Teilnahme an Militärparaden die dynastische Legitimität der außereuropäischen Monarchen sowie die Souveränität ihres Landes stützten und schließlich, inwieweit Staatsbesuche außereuropäischen Monarchen eine Möglichkeit boten, ihr Land in eine von den europäischen Mächten dominierte Ordnung der internationalen Beziehungen zu integrieren.
David Motadel ist Professor für Internationale Geschichte an der London School of Economics and Political Science (LSE). Er studierte und promovierte in Cambridge. Als Gastwissenschaftler war er in Harvard, Yale, Oxford, an der Sorbonne, an der Sciences Po und am Wissenschaftskolleg zu Berlin tätig. Motadel ist Fellow der Royal Historical Society. 2018 erhielt er den Leverhulme Preis für Geschichte.
https://www.zfl-berlin.org/publikationen-detail/items/globale-monarchie.html