»Mein Kopf ist ein summendes Etwas, ein Kopforchester ...«
Ilma Rakusa im Porträt

Porträt der Übersetzerin Ilma Rakusa in der Reihe Übersetzen. Werke & Tage bei TOLEDO

Das Gespräch führte Nina Weller am 2.3.2025 in Berlin

Ilma Rakusa ist Europäerin durch und durch. Sie wurde 1946 in Rimavská Sobota, in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Ljubljana, Triest und Zürich. Zu Hause sprach man Slowenisch, Ungarisch und Deutsch; Französisch kam in der Schule hinzu, Russisch, Serbokroatisch und Polnisch im Studium. Diese Mehrsprachigkeit wurde zu Ilma Rakusas literarischem Resonanzraum, die europäischen Literaturen von früh an ihr wichtigster Rückzugs- und Tätigkeitsraum. In Zürich und Paris studierte sie Slawistik und Romanistik und promovierte mit »Studien zum Motiv der Einsamkeit in der russischen Literatur«. Seit den 1970er Jahren übersetzt sie literarische Werke aus dem Russischen, Serbokroatischen, Ungarischen und Französischen – unter anderem von Marina Zwetajewa, Marguerite Duras, Danilo Kiš, Péter Nádas und Imre Kertész. Ebenso wie das Übersetzen begleitet das Schreiben Ilma Rakusas Leben: In zahlreichen, vielfach ausgezeichneten Prosawerken, Gedichtsammlungen und essayistischen Texten zeigt sie sich als sensible und präzise Beobachterin menschlicher Schicksale zwischen Sprachen, Kulturen und Lebenswelten, spürt historischen Umbrüchen und feinsten Regungen in Natur- im Gedankenräumen nach. Ihre Lyrik und Prosa zeichnen sich durch poetische Knappheit, feine Musikalität und leise intertextuelle Korrespondenzen aus. »Das Dialogische ist mir sehr wichtig. Beim Schreiben, beim Übersetzen auch«, sagt sie – und tatsächlich bildet dieses dialogische Prinzip den Kern ihres Werks: das stete Gespräch zwischen Sprachen, Menschen und literarischen Welten. Ilma Rakusa ist neben ihrer Arbeit als Autorin und Übersetzerin unermüdlich als Vermittlerin ost- und südosteuropäischer Literaturen aktiv – als Rezensentin, Essayistin, Dozentin und Mitglied zahlreicher Literaturpreisjurys. Heute lebt Ilma Rakusa in Zürich und hat auch ein Standbein in Berlin.

zur Schriftfassung des Gesprächs

Video: © Deutscher Übersetzerfonds

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