Workshop – Call for Papers
24.01.2019 – 26.01.2019

Der Anthropos im Anthropozän. Die Wiederkehr des Menschen im Moment seiner vermeintlich endgültigen Verabschiedung

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum
Kontakt: Hannes Bajohr
ZfL-Projekt(e): Negative Anthropologie

Call for Papers – Deadline: 31.07.2018

Seitdem der Begriff des Anthropozäns als mögliche geologische Epoche, in der der Einfluss des Menschen im Erdstratum ablesbar geworden ist, auch als geisteswissenschaftliche Orientierungsfigur Zuspruch erfährt, ist eine erneute Konjunktur des Begriffs vom »Menschen« zu beobachten. Statt weiter in antihumanistischer Tradition destruiert zu werden, hat er nun in der Kollektivfigur des Anthropos als Gattungswesen in seiner Zerstörungsmacht unleugbare Evidenz erlangt. Wo für einige geisteswissenschaftliche Anthropozäntheorien das Anthropozän zum letzten Beweis der Sonderstellung des Menschen wird, sehen sich posthumanistische Positionen plötzlich unter Druck, sich zur diskursiven Gegenwart des Menschen neu zu verhalten.

Ob affirmativ oder ablehnend, die Rede vom Menschen kehrt just in dem Moment zurück, da seine endgültige Verabschiedung schon sicher schien. Dabei ist noch nicht gesagt, dass damit auch eine Rückkehr zur Idee des »ganzen Menschen« fällig wäre. Vielmehr wird die Unabweisbarkeit menschlicher Wirkmacht oft als Notwendigkeit neuer Anthropologien formuliert, die gerade den Fehlern des Essentialismus und der Totalität aus dem Weg gehen wollen.

Auf dem Workshop sollen der Befund der diskursiven Widerkehr des Menschen und die Reevaluierung der Anthropologie im Anthropozän diskutiert werden:

  • Welche impliziten und expliziten Anthropologien finden sich in Theorien des Anthropozäns und welches Reflexionsniveau erreichen sie? Welche Traditionen werden fortgeschrieben, welche aufgegeben?
  • In welchem Verhältnis stehen »Anthropos« und »Mensch«? Wie unterscheidet sich die oft ins Spiel gebrachte Kategorie der »Spezies« als neuer Kollektivgröße vom klassischeren Begriff des Menschen, wie ihn philosophische Anthropologien ausarbeiten – zumal dann, wenn ihr wesentlich »geological agency« im Unterschied zu »biological agency« zugeschrieben wird?
  • Welche systematische Kritik ermöglichen oder verschließen anthropologische Theorien des Anthropozäns? Ist sie als postulierte Erdepoche – im Gegensatz etwa zum »Capitalocene« – zu undifferenziert oder setzt sie einen identifizierbaren Adressaten der Kritik?
  • Welche Konsequenzen für politische Anthropologien ergeben sich aus der Erweiterung der lokalen zu einer globalen und schließlich planetarischen Dimension?
  • Und welchen Ort hat die hervorstechende negativistische Rhetorik (»negative universal history«, »negative teleological anthropocentrism«), im Sprechen über das Anthropozän? Führt sie gar zu einer negativen Anthropologie?

Erbeten sind Abstracts von etwa 300 Wörtern bis zum 31. Juli 2018 an Hannes Bajohr. Der Workshop findet am 24.–26. Januar 2019 am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin statt.