Mittwochsvortrag
04.07.2018 · 19.00 Uhr

Eva Horn (Universität Wien): Lokal – global – planetarisch. Klima als Raum

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum

Klima, das gegenwärtig vor allem unter dem Aspekt seiner unerhörten, menschengemachten Veränderung thematisiert wird, war ursprünglich ein geographischer Begriff. Klima thematisierte nicht allein einen spezifischen Ort, sondern zugleich auch das, was diesen Ort von anderen unterschied. Im Zuge der »Meteorologisierung« des Klimas im 19. Jahrhundert und später der Entwicklung eines planetarischen Modells des Lebenssystems der Erde durch Lovelock ist Klima nun von einem Raumkonzept zu einem globalen und verzeitlichten Begriff geworden. In einem Bogen von antiken Klima-Konzepten bis zum gegenwärtigen kybernetischen Denken eines planetarischen Lebenssystems in den Erdsystemwissenschaften wird der Vortrag sich den Spannungen zwischen einem »sense of place« und einem »sense of planet« (Ursula Heise) widmen. Dabei soll herausgearbeitet werden, wie unterschiedliche Konzepte von Klima zu einer theoretischen Figur werden, die zwischen diesen Polen des Lokalen und Globalen vermittelt. Als eine solche Vermittlungsfigur, so die These, lässt sich Klima zum Zentralkonzept eines Planetarischen machen, das sich gegen einen Prozess der globalen Destabilisierung des Lebenssystems der Erde im Zeichen des Anthropozäns in Anschlag bringen lässt.

Eva Horn ist seit 2009 Professorin am Institut für Germanistik der Universität Wien; nach der Promotion in Konstanz und der Habilitation in Frankfurt/Oder hatte sie zunächst eine Professur an der Universität Basel inne. Ihre Forschungen behandeln die Themenkomplexe Krieg, Feindschaft und Staatsgeheimnisse, aber auch Klima, Klimawandel und das Anthropozän. Von 2014 bis 2017 leitete sie das DFG-Projekt »Zeit des Klimas. Zur Verzeitlichung von Natur in der literarischen Moderne«. Neben ihren akademischen Tätigkeiten ist sie Beisitzerin im Vorstand des Gesprächskreises der Nachrichtendienste in Berlin.

Publikationen (Auswahl):

  • Jenseits der Kindeskinder. Nachhaltigkeit im Anthropozän (in: Merkur 2017)
  • Zukunft als Katastrophe. Fiktion und Prävention (Frankfurt a.M. 2014)
  • Die Fiktion von der jüdischen Weltverschwörung. Zu Text und Kontext der »Protokolle der Weisen von Zion« (Göttingen 2012, Mithg.)
  • Der geheime Krieg. Verrat, Spionage und moderne Fiktion (Frankfurt a.M. 2007)
  • Literatur als Philosophie – Philosophie als Literatur (München 2005, Mithg.)
  • Trauer schreiben. Die Toten im Text der Goethezeit (München 1998)