Stadt, Land, Kiez. Nachbarschaften in der Berliner Gegenwartsliteratur

Angesichts einer aktuellen Euphorie für den Kiez auf der einen und der gegenwärtig drängenden Fragen urbaner Existenz – wie Wohnungsknappheit, Flucht- und Migrationserfahrungen, Gentrifizierung, Armut und Obdachlosigkeit – auf der anderen Seite befasst sich das Projekt mit der literarischen Praxis und Darstellung von Nachbarschaft.

Das Projekt will zunächst die Berlin-Literatur von der Nachwendezeit bis zur Gegenwart sichten und sammeln. Als heuristisches Konzept für die Auslotung möglicher Zusammenhänge von Literatur und begrenzten Lokalitäten dient dabei der – zuletzt vor allem in der Soziologie theoretisch verwendete – Begriff der Nachbarschaft. Nachbarschaft bedeutet Lokalität auf kleinstem Raum, die allerdings keine scharfe Begrenzung hat und sich dauerhaft in Übergängen befindet. Nachbarschaft umfasst nicht nur gelungenes Zusammenleben, sondern auch spannungsreiche oder konfliktbelastete Beziehungen. Der Begriff der Nachbarschaft erlaubt es außerdem, geläufige Gegensätze wie Stadt vs. Land oder Kiez vs. Stadt zu vermeiden, und öffnet so den Blick für einen dislozierten Raum unter Bedingungen globaler Vernetzung.

Die Sammlung der Literatur soll teilweise vor Ort, gemeinsam mit AutorInnen und Kooperationspartnern in ganz Berlin und unter Beteiligung einer interessierten Öffentlichkeit stattfinden. Dafür werden verschiedene Veranstaltungsformate und Darstellungsformen erprobt und entwickelt. Den Auftakt bilden im November 2019 die Literaturtage im Literaturhaus Berlin zum Thema »Nachbarschaft«.

Gefördert durch: Der Regierende Bürgermeister von Berlin – Senatskanzlei Wissenschaft und Forschung. Zuwendung aus Mitteln Berlins 2019–2022
Leitung: Hanna Hamel
Bearbeitung: Christina Ernst