Politik des Erscheinens

Nach Hannah Arendt können wir politische Existenz nur dadurch gewinnen, dass wir hervortreten, erscheinen und so einen Anfang machen. Konstitutiv für die Sphäre des Politischen ist aber nicht nur das, was erscheint, sondern ebenso das, was dabei verschwindet, was ausgeschlossen oder ausgelagert wird. Die Gegenwartsgesellschaft als »Externalisierungsgesellschaft« zu verstehen bedeutet anzuerkennen, dass nicht nur unser Lebensstandard (Lessenich), sondern auch die Struktur des politischen Erscheinungsraums selbst von Auslagerungsprozessen abhängt. Das Projekt wendet sich vor diesem Hintergrund performativen und künstlerischen Praktiken zu, die die Bedingungen der Möglichkeit des In-Erscheinung-Tretens sichtbar machen und die das Verhältnis von Erscheinen und Verschwinden, von Markiertheit und Unmarkiertheit, von Exposition und Externalisierung kritisch reflektieren. Als Szenen des Erscheinens befragt das Projekt Gerichtsszenen, Rekonstruktionen wie die von Forensic Architecture sowie transitorische Theatertraditionen, von der frühneuzeitlichen Commedia Dell’Arte bis zum postmigrantischen Theater der Gegenwart. Anhand der von solch vorübergehenden Szenen gestifteten stets nur temporären Gemeinschaften will das Projekt auch eine andere Politik des Erscheinens erarbeiten, die aktuelle Externalisierungstechniken durchbricht.

seit 2021
Leitung: Katrin Trüstedt