Internationale Konferenz
17.01.2013 – 19.01.2013

»Meine Sprache ist Deutsch«. Deutsche Sprachkultur von Juden und die Geisteswissenschaften 1870-1970

Ort: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum

Programm

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Organisiert von Stephan Braese (RWTH Aachen) und Daniel Weidner

Stand: 17.01.2013

Donnerstag, 17.01.2013
14.00–16.30
Stephan Braese (RWTH Aachen), Daniel Weidner (ZfL Berlin): Einführung

Petra Ernst-Kuehr (Karl-Franzens-Universität Graz): »Möge die thatkräftige Unterstützung aller derer, welche sich der Goetheforschung weihen, [...] nicht fehlen.« Vergessene Aspekte der Literaturwissenschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Arndt Engelhardt (Simon-Dubnow-Institut Leipzig): Bildung und Teilhabe. Moritz Veit als Verleger im Zeitalter der Emanzipation

17.00
Hans-Joachim Hahn (ETH Zürich): Parodie und Wissenschaft. Fritz Mauthners politische Sprachkritik

John McCole (University of Oregon, Eugene): Geheimnis und schriftlicher Verkehr. On Georg Simmel’s Language

Freitag, 18.01.2013
10.00–12.00
Claude Haas (ZfL): Welche Sprache spricht der ›Deutsche Geist‹? Zum kulturhistorischen Ort der Wissenschaftsprosa Friedrich Gundolfs

Mona Körte (ZfL): Dichtungslogiken des Ich. Theoriebildung im Exil bei Margarete Susman und Käte Hamburger

12.30–13.30
Philipp von Wussow (Simon-Dubnow-Institut Leipzig): »In die Worte bricht Geschichte ein«. Theorie und Sprachreflexion bei Löwenthal, Benjamin und Adorno

15.00–17.00
Andreas B. Kilcher (ETH Zürich): »Das Judentum ist aus seiner Sprache herzuleiten.« Zum Sprachdenken des jungen Gerhard Scholem

Sabine Sander (Max Weber-Kolleg Erfurt): »Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt«. Sprache zwischen Enthüllen und Schweigen bei Rosenzweig und Wittgenstein

17.30
Birgit R. Erdle (Hebräische Universität Jerusalem): »Wortforschung als Kulturgeschichtsforschung«. A. J. Storfers Archiv der Wörter

Liliane Weissberg (University of Pennsylvania, Philadelphia): Sehnsucht nach Goethe. Freud als Schriftsteller

Samstag 19.01.2013
10.00–12.00
Hinrich C. Seeba (University of Berkeley, California): »Disrupted Language«. Zur Heimat der Sprache unter Emigranten

Martin Treml (ZfL): Zwischen Detail und Weltliteratur. Elemente eines deutsch-jüdischen Abécédaire bei Jacob Bernays und Erich Auerbach

12.30
Achtung! Vortrag von Sigrid Weigel (ZfL) fällt wg. Krankheit aus!

Christoph König (Universität Osnabrück): Peter Szondis Ethik des wissenschaftlichen Stils

In den sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelnden Geisteswissenschaften spielten jüdische Gelehrte eine wichtige Rolle. Die Begegnung einer in über 100 Jahren entwickelten deutschen Sprachkultur von Juden mit einer neuen Formation des Wissens führte die beteiligten Wissenschaftler dabei in eine ambivalente Situation: Einerseits erschien das Verstehen von Geist und Kultur ein Weg zur oft ersehnten Integration, andererseits wurde dieser Geist oft selbst national besetzt und schloss eine spezifisch jüdische Sprachkultur latent oder auch manifest aus. Diese prekäre Lage erwies sich kulturell und wissenschaftlich als außerordentlich produktiv und kann als entscheidender Faktor für den zentralen Beitrag jüdischer Wissenschaftler zur Erfolgsgeschichte der Geisteswissenschaften gelten. An dieser Geschichte zeichnet sich nicht nur besonders deutlich die spezifische Problematik jüdischen Sprechens in Deutschland ab, sie eröffnet auch Perspektiven auf die historischen wie aktuellen Potenziale und Grenzen der Geisteswissenschaften.

Mit Unterstützung von Axel Springer Stiftung und Fazit Stiftung

Medienecho

24.01.2013
In deutscher Sprache. Der Einfluss jüdischer Gelehrter auf die Geisteswissenschaften

Radiobeitrag von Christian Forberg, in: Deutschlandfunk, Sendung: Studiozeit • Aus Kultur- und Sozialwissenschaften vom 24.01.2013

Publikationen

Stephan Braese, Daniel Weidner (Hg.)

Meine Sprache ist Deutsch
Deutsche Sprachkultur von Juden und die Geisteswissenschaften 1870–1970

LiteraturForschung Bd. 25
Kulturverlag Kadmos, Berlin 2015, 290 Seiten
ISBN: 978-3-86599-286-4