Nacht der unerschossenen Gedichte 2026. Eine Begegnung mit ausgelöschter belarusischer Literatur
Veranstaltung der Initiative der Freund:innen der belarusischen Literatur in Berlin und der belarusischen Gemeinschaft RAZAM e.V. im Literarischen Colloquium Berlin
Mit und von Alena Aharelysheva, Yaraslava Ananka, Alhierd Bakharevich, Sveta Ben, Zmicer Che, Julia Cimafiejeva, Uladzimir Hramovich, Julia Koifman, Kupra, Jordan Lee Schnee, Inga Lizengevic, Madmapper, Zhenya Oks, Dmitri Strozew, Zmicier Vishniou, Nina Weller, Tina Wünschmann, Viktar Zhybul & Vera Burlak (in einer Videobotschaft) u. a.
Im August 1937 brennt im Hof des Minsker NKWD-Gefängnisses ein Feuer. Die Staatssicherheitsbeamten verbrennen Manuskripte belarusischer Schriftsteller. Doch nicht nur Schriften werden vernichtet – von August 1937 bis Dezember 1938 werden im Land mindestens zehntausend Menschen erschossen. In einer einzigen Nacht – der vom 29. auf den 30. Oktober 1937 – sind es 132 Kulturschaffende und Wissenschaftler. Unter den Ermordeten: Lyriker, Prosaautoren, Übersetzer, Kritiker, insgesamt 22 Schriftsteller. Das älteste Opfer der Nacht ist 47, das jüngste 25. Die Nacht ist der Schlusspunkt einer kurzen Aufbruchszeit: In den 1920er Jahren entsteht eine junge belarusische Literatur, die sich europäischen Avantgarde-Strömungen öffnet und experimentiert. Die Einführung des Sozialistischen Realismus beendet jedoch die Experimente, die Werke werden vernichtet. Das Wenige, was von damals bleibt, ist versteckt, verschollen oder vergessen.
Die Nacht der unerschossenen Gedichte widmet sich in diesem Jahr den Literaturzirkeln, in denen sich die Szene in den 1920ern bis 1930ern organisiert, darunter offizielle und geheime, ernsthafte und auch skurrile.
Die Veranstaltung findet auf Belarusisch, Jiddisch, Polnisch und Deutsch statt.
Die Slawistin Nina Weller ist Koordinatorin des Projekts Diasporische Identitäten in der Populärkultur. Belarus nach 2020 und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Anpassung und Radikalisierung. Dynamiken der Populärkultur(en) im östlichen Europa vor dem Krieg.