Shira Miron (Universität Basel): Gertrud Kolmar – Dichten gegen den Alltag
In der unmittelbaren Nachkriegszeit war der Name von Gertrud Kolmar (1894–1943), die 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde, kaum jemandem vertraut. Ihre bedeutendsten und poetisch anspruchsvollsten Werke, darunter der Gedichtzyklus Welten (1937) und die Novelle Susanna (1940), schrieb die deutsch-jüdische Dichterin unter zunehmend bedrängenden Umständen im nationalsozialistischen Berlin. Der Zwangsumzug mit ihrem Vater in ein sogenanntes »Judenhaus« in der heutigen Münchener Straße, die Trennung von der bereits geflüchteten Schwester und die tägliche Zwangsarbeit bilden den alltäglichen Hintergrund ihres fantasievollen literarischen Schaffens, das erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts seinen überfälligen Platz im Kanon der deutschsprachigen Literatur erhielt.
Es lesen Feryal Djavadi und Dilan Graf, Studierende im Studiengang Schauspiel an der Universität der Künste Berlin.
Literarische Heimat Charlottenburg-Wilmersdorf
Zahlreiche Autoren und Autorinnen, die das kulturelle Leben ihrer Zeit mitgeprägt haben, haben Jahre ihres Lebens in den Berliner Stadtteilen Wilmersdorf und Charlottenburg verbracht. In Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) und dem Studiengang Schauspiel der Universität der Künste Berlin (UdK) stellt die Stadtbibliothek Charlottenburg-Wilmersdorf einige von ihnen vor.
Abb. oben: D.M. Nagu aus der Serie Songs for a Future Generation (2020) (Ausschnitt)
Programm
Donnerstag, 7.5.2026, 18.00
Fanny Wehner (ZfL): Vladimir Nabokov – Berlin wider Willen: fünf Adressen und ein Stadtführer
Es lesen Daniel Petrenko und Moritz Tostmann (UdK).
Montag, 1.6.2026, 18.00
Patrick Eiden-Offe (ZfL): Robert Walser –- Von Biel nach Berlin und zurück: Prosastückli aus dem Weltstadtgetümmel
Es lesen Kamil Saad Amad und Mia Dräger (UdK).
Donnerstag, 2.7.2026, 18.00
Shira Miron (Universität Basel): Gertrud Kolmar – Dichten gegen den Alltag
Es lesen Feryal Djavadi und Dilan Graf (UdK).