Sophie-Charlott Hartisch: Kosmische Ordnungen. Gemeinschaftsentwürfe in der Lyrik nach 1900
Im Kontext des Ersten Weltkriegs lassen sich in der deutschsprachigen Lyrik Verhandlungen verschiedenster Sozietätsvorstellungen beobachten. Der Expressionismus ›visioniert‹ brüderliche Vereinigungsutopien, Else Lasker-Schüler und Rainer Maria Rilke reflektieren die Möglichkeit der Annäherung eines ›Du‹ und ›Ich‹ und Stefan Georges Dichtung zielt auf ein hierarchisches Gemeinschaftsmodell. Ihr Vortrag anlässlich der Verleihung des Carlo-Barck-Preises zeigt die Gemeinsamkeit dieser unterschiedlichen Entwürfe: die Rückbindung an astronomische Ordnungsvorstellungen.
Begrüßung und Laudatio: Eva Geulen
Sophie-Charlott Hartisch studierte Deutsche Literatur, Politik- und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2024 schloss sie ihre Dissertation »Astrale Konstellationen in der Lyrik um 1900. Stern und Kosmos als Zeitsignatur der Moderne« an der Universität zu Köln ab. Für diese Arbeit erhielt sie den Carlo-Barck-Preis 2025. Hartisch ist akademische Rätin a.Z. am Institut für Germanistik der Universität Bonn und arbeitet seit dem 1. April 2026 als Carlo-Barck-Preis-Stipendiatin am ZfL mit ihrem neuen Projekt Kohärenz. Die Poetik des Zusammenhangs.
Carlo-Barck-Preis
Mit dem 2017 vom ZfL erstmals vergebenen Carlo-Barck-Preis werden Dissertationen auf dem Gebiet der Literatur- und Kulturwissenschaften ausgezeichnet, die durch innovative Fragestellung und originelle Anlage bestechen. Das Preisgeld in Höhe von 12.000 Euro wird als ein sechsmonatiges Stipendium für einen Gastaufenthalt am ZfL vergeben.
Der Romanist Karlheinz »Carlo« Barck (1934–2012) ist bekannt für seine Forschungen zur Geschichte der Ästhetik und Imagination seit dem 18. Jahrhundert; ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf den französischen und spanischen Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts. Unter seiner Federführung wurde das Projekt der Ästhetischen Grundbegriffe erfolgreich durchgeführt. Barck hat das Forschungsprogramm des ZfL mit seinen grenzüberschreitenden intellektuellen Interessen nachhaltig mitgeprägt.