Tanzende Scheren. Eine alternative Geschichte der Collage
Vorstellung von Juliane Vogel: Nehmt Scheren! Ansichten eines Werkzeugs im Zeitalter der Collage (Konstanz University Press 2026)
Als Literatur und Künste am Anfang des 20. Jahrhunderts mit geschnittenem Material zu arbeiten beginnen, bedienen sie sich eines lange diskreditierten Werkzeugs: der Schere. Erst als die Operation des Schneidens ins Zentrum künstlerischer und literarischer Produktion rückt, erfährt die Schere eine, wenngleich stets fragile, gefährdete und oft widerrufene Anerkennung. Zugleich aber repräsentiert sie ein neues Kreativitätsmodell, das nicht in der großen Kunst- und Literaturgeschichte wurzelt, sondern zu den frühen, bis ins 18. Jahrhundert zurückreichenden Anfängen moderner Populärkultur zurückführt.
Hier nehmen die Praktiken ihren Ausgang, die auch die moderne Collage informieren werden, hier bildet sich der Vorstellungshorizont aus, der auch das Schneiden der ersten Avantgarden begleiten wird. Mit der Schere werden Originalität, Ganzheit und Schließung als grundlegende Konzepte bürgerlicher Kunst- und Literatur ausgehebelt, werden neue Akteure in den Künsten aktiv, Gattungs- und Mediengrenzen überschritten und eine Praxis entwickelt, die keine – und schon gar keine falschen – Zusammenhänge respektiert.
Wir stellen das Buch unter Beteiligung von Juliane Vogel (Universität Konstanz) und Beate Söntgen (Leuphana Universität Lüneburg) vor. Moderiert wird der Abend von Eva Geulen (ZfL).