Literaturtage des ZfL
20.04.2018 – 21.04.2018

Sonderlinge in der Gegenwartsliteratur

Ort: Literaturhaus Berlin, Fasanenstr. 23, 10719 Berlin
ZfL-Projekt(e): Literaturtage des ZfL

In Kooperation mit dem Literaturhaus Berlin

Verschrobene Gelehrte, tyrannische alte Tanten, obsessive Aussteiger, freiwillig Behinderte, selbsternannte Herrscherinnen und begeisterte Untergründler: Die Literatur scheint derzeit von einem reichen Spektrum an Sonderlingen bevölkert zu sein. Hatte der Literarhistoriker Herman Meyer diesen Figurentypus in seiner klassischen Studie über den Sonderling in der deutschen Dichtung noch im 19. Jahrhundert verortet, ist er offenbar von besonderem Interesse für unsere Gegenwart.

Die ZfL-Literaturtage im Literaturhaus Berlin erkunden diesen Zusammenhang angesichts aktueller Debatten über kulturelle Vielfalt und Diversität, über den Respekt vor unterschiedlichen Identitäten und das Bemühen, möglichst allen Gruppen eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu gewähren. Und doch lassen sich literarische Sonderlinge nicht einfach dem modernen diversity management überantworten, denn sie sind ihrerseits Grenzfälle einer bereits zur politischen Norm gewordenen Diversität. Als schrullige, groteske, wenn nicht absurde Figuren verweigern sie sich jeder sozialen Anerkennung. In ihrer je eigenen Partikularität empfinden sie Integration und Inklusion als Zumutungen, denen sie sich beharrlich entziehen oder denen sie bestenfalls gleichgültig gegenüber stehen. Damit stellen sie die Übereinkünfte des zeitgenössischen Pluralismus- und Diversitätsdiskurses in Frage. Bringt gesellschaftliche Integration die jeweils individuelle Vielfalt nicht immer schon um ihr eigentliches Potenzial? Bedeutet Anerkennung nicht bereits Abschwächung oder gar Absorption dessen, was gerade anerkannt werden soll?

Der vermeintlich apolitische Sonderling könnte sich demnach prinzipiell als eine diversitätsskeptische Figur erweisen, indem er auf die eigene Fremde pocht und deren soziale oder kulturelle Approbation unbeirrt ausschlägt. Seine Absonderung erzeugt eine eigentümliche Art der Autonomie, ja der Souveränität, die in spezifischer Weise ästhetisch ist. Die Literaturtage im Literaturhaus Berlin sollen daher insbesondere erkunden, welcher Ton, welche Sprache und welche literarischen Genres der Darstellung von Sonderlingen zuträglich sind.

Programm

Freitag, 20.04.2018

13.45 Begrüßung


Lesungen und Gespräche mit ...

14.00
Kat Kaufmann und Janika Gelinek (Literaturhaus Berlin)

15.00
Jonas Lüscher und Patrick Hohlweck (ZfL)

16.30
Steffen Popp und Jakob Gehlen (ZfL)

17.30
Gertraud Klemm und Claude Haas (ZfL)

 

Samstag, 21.04.2018

14.00
Die Souveränität der Sonderlinge
Stefan Willer (ZfL/HU Berlin) und Mona Körte (ZfL)


Lesungen und Gespräche mit ...

15.00
Ingo Schulze und Ulrike Vedder (HU Berlin)

16.30
Fatma Aydemir und Sonja Longolius (Literaturhaus Berlin)

17.30
Esther Kinsky und Mona Körte (ZfL)

 

Tageskarte 7€, ermäßigt 5€ Zweitageskarte 10€, ermäßigt 7€

Medienecho

22.04.2018
Berliner Tagung über »Sonderlinge in der Gegenwartsliteratur«

Radiobeitrag von Cornelius Wüllenkemper, in: Deutschlandfunk, Sendung Kultur heute vom 22.04.2018 (5 min)

20.04.2018
WISSEN – Sonderlinge in der Gegenwartsliteratur

Radiogespräch mit Mona Körte, in: RBB Kulturradio, Sendung Kulturradio am Vormittag vom 20.04.2018, 9.10 Uhr (5:11 min)

08.04.2018
Von der Kunst der Politik und der Politik der Kunst. Der Literaturwissenschaftler Stefan Willer über den Sonderling in der Literatur

Radiobeitrag, in: Bayern 2, Sendung Kulturjournal vom 08.04.2018 (46:14 bis 1:02:10)