Symposium
30 May 2013 – 31 May 2013

überZEUGEN. Die Produktion von Gewissheit und ihre Akteure

Venue: ZfL, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et.
Research project(s): Testimony/Bearing Witness

Program

Donnerstag, 30.05.2013

10.00
Begrüßung und Einführung: Aurélia Kalisky (ZfL)

10.30–12.30
Stephan Barton (Bielefeld): Der Zeugenbeweis im Strafverfahren

Günter Thomas (Bochum): Fünf Typen der religiösen Zeugenschaft. Techniken der Sicherung, Medien der Kommunikation und soziale Konstellationen

14.00–16.00
Henning Theißen (Greifswald/Tübingen): Angenommene Gewissheit. Zur religiösen Bedeutung des Zeugnisses

Matthias Däumer (ZfL): angelus dixit mihi: Cognouisti haec omnia? Mediale Implikationen der visionären Zeugenschaft

16.30–18.30
Heike Schlie (ZfL/Basel): ÜBERzeugen. Bildliche Akkumulationen der Zeugenschaft

Claudia Blümle (Münster): Hier – Schau hin. Überzeugungsfiguren im Bild


Freitag, 31.05.2013

10.00–12.00
Sybille Krämer (FU Berlin): Zeuge, Bezeugen, Zeugnisgeben. Worin liegt das (philosophische) Problem?

Sibylle Schmidt (FU Berlin): Ethik und Epistemologie der Zeugenschaft

13.30–15.30
Axel Gelfert (Singapur): »No species of reasoning more common, more useful, and even necessary to human life…«. Ein neues Bild von David Hume als Theoretiker menschlichen Zeugnisses

Andrea Frisch (College Park, MD/München): The Claims of Truth. Agrippa D’Aubigné’s Tragiques as Testimony

16.00–18.00
Michael Bachmann (Mainz): Figurationen der Zeugenschaft. Recht und Erinnerung im Figurentheater

Nicola Mößner (Aachen): Das Fenster zur Welt? Fernsehnachrichten als epistemische Zeugnisse

18.00
Abschlussdiskussion: Zeugenschaft im Spannungsfeld der Disziplinen
Moderation: Aurélia Kalisky (ZfL)

Der Zeuge verkörpert eine Schlüsselfigur unserer Kultur und Wissenspraxis, obwohl das durch Zeugenschaft generierte Wissen stets einen umstrittenen Status hat. Dies gilt besonders für den juridischen Zeugen und den Zeitzeugen. Das interdisziplinäre Symposium untersucht Typen und Formen testimonialen Wissens aus verschiedenen Forschungsfeldern und Phänomene der Zeugenschaft in ihrer Verflechtung zwischen epistemischem Wert und ihrer ethischen, sozialen, politischen, künstlerischen und religiösen Bedeutung. Ausgehend von dem semantisch vielfältigen und zwischen Bereichen des Wissens und des Glaubens oszillierenden Begriff des ›Überzeugens‹ soll eine Diskussion ›über Zeugen‹ geführt und die Frage verschiedener Akteure der Zeugenschaft erörtert werden. Wie positionieren sich testimoniale Figuren in unterschiedlichen historischen Konstellationen zwischen Wissen, Gewissheit und Glauben? Welche besondere Rolle kommt dem Adressaten im Akt des Zeugnisgebens zu? Wie sind die Unterschiede zwischen direkter und indirekter Zeugenschaft zu definieren und welche Funktion hat dabei die mediale Autorisierung? In welchem Verhältnis steht die testimoniale ›Gewissheit‹ zu den Forderungen der Beweisbarkeit und Evidenz? Und schließlich: Welchen Stellenwert hat das Zeugniswissen in den historischen Wissensordnungen, und wie lässt es sich in systematischer Hinsicht als eine Wissenskategorie beschreiben?

Veranstaltung zum ZfL-Semesterthema: Religion und Repräsentation im Sommersemester 2013

Literaturhinweise:

  • Sybille Krämer: Medium, Bote, Übertragung. Kleine Metaphysik der Medialität, Frankfurt a. M. 2008.
  • Heike Schlie/Wolfram Drews (Hg.): Zeugnis und Zeugenschaft. Perspektiven aus der Vormoderne, München 2011.
  • Sibylle Schmidt/Sybille Krämer/Ramon Voges (Hg.): Politik der Zeugenschaft. Zur Kritik einer Wissenspraxis, Bielefeld 2011.
  • Sibylle Schmidt: Zeugenschaft. Ethische und politische Dimensionen, Frankfurt a. M. u. a. 2009.
  • Sigrid Weigel (Hg.): Märtyrer-Porträts. Von Opfertod, Blutzeugen und heiligen Kriegern, München 2007.

Abb.: Sachsenspiegel, 14. Jh., Cod. Pal. germ. 164, fol. 2v. (Detail), Universitätsbibliothek Heidelberg: HeidICON. Die Heidelberger Bilddatenbank

Publications

Matthias Däumer, Aurélia Kalisky, Heike Schlie (ed./eds.)

Über Zeugen
Szenarien von Zeugenschaft und ihre Akteure

Trajekte-Buchreihe
Wilhelm Fink Verlag, München 2017, 305 pages
ISBN: 978-3-7705-5732-5