Zeichnung einer Stadtansicht mit Altbauten zwischen einem breiten Fluss und einer baumbestandenen Allee. Die Zeichnung ist in der Mitte nach oben gespiegelt.
Symposium
13.03.2026

Künste – Medien – Umwelt. Architekturtexte der österreichischen Neoavantgarde (1955–1975)

Ort: Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften (ifk), Kunstuniversität Linz in Wien, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien
Organisiert von Sebastian Hackenschmidt (MAK), Roland Innerhofer (Universität Wien/ifk), Detlev Schöttker (ZfL)

Seit Mitte der 1950er Jahre wurden in Österreich, vor allem in Wien und in Graz, neue künstlerische Darstellungsweisen entwickelt, die sich inhaltlich und formal deutlich von den Formen der klassischen Moderne unterscheiden. Schriftsteller:innen verwarfen die fiktionale und die subjektive Auseinandersetzung mit der Realität und interessierten sich stattdessen für die lautliche und die visuelle Dimension von Texten. Architekt:innen wollten sich nicht mehr auf die Schaffung von Wohn- und Arbeitsräumen in sachlicher und funktionaler Gestaltung beschränken, sondern durch die Verwendung neuer Medien, Materialien und Technologien auch die Umwelt verändern.

Diese Innovationen orientierten sich an antibürgerlichen Traditionen. Zu ihnen gehören vor allem die sogenannten historischen Avantgardebewegungen wie Futurismus, Dadaismus, Surrealismus und Konstruktivismus, die Kunst in Lebenspraxis überführen wollten – so die vieldiskutierte These in Peter Bürgers Theorie der Avantgarde (1973). Wir möchten deshalb von einer österreichischen Neoavantgarde sprechen, greifen also nicht auf Begriffe wie Postmoderne oder – noch spezifischer – Austrian Phenomenon zurück (den Begriff verwendete zuerst Peter Cook in seinem 1970 erschienenen Buch Experimental Architecture).

Unsere Tagung dient dem Zweck, die Innovationen der österreichischen Neoavantgarde in historischer und ästhetischer Perspektive zu diskutieren und diese ggf. neu zu bestimmen. Als Leitidee schlagen die Unterzeichner den Begriff des Architekturtextes vor. Er soll die gestalterischen Innovationen ebenso berücksichtigen wie die Tatsache, dass literarische und visuelle Formen bei der Verbreitung der Ideen zumeist Hand in Hand gingen. Eine Publikation der Beiträge unserer Tagung ist geplant; wir möchten uns dabei an dem von uns herausgegebenen Band orientieren, der sich mit den Wechselbeziehungen von Literatur, Architektur, Städtebau und Raumgestaltung zwischen 1900 und 1930 in Wien beschäftigt: Planen – Wohnen – Schreiben. Architekturtexte der Wiener Moderne (Wien: Picus 2021).

Gefördert durch die Kulturabteilung der Stadt Wien und das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (ifk) in Kooperation mit dem Museum für angewandte Kunst Wien (MAK), der Universität Wien und dem ZfL.

 

Abb. oben: Max Peintner: Ein Vorschlag fürs Jenseits. Wien 1971 (Ausschnitt)

Programm

9.00

  • Begrüßung und Einleitung

9.15

  • Detlev Schöttker (ZfL): Historische Avantgarde und österreichische Neoavantgarde
  • Ákos Moravánszky (ETH Zürich): Rekonstruktionen der Wiener Moderne – Dialekte der Avantgarde

11.00

  • Gabriele Kaiser (Wien/Linz): Die Polemik des Manifests und die Sprache der Kritik
  • Gerd Zillner (Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler-Privatstiftung, Wien): Manifeste, Mahnungen, Notizen – Friedrich Kieslers späte Texte über Architektur, die Künste und die Umwelt

13.30

  • Thomas Eder (Universität Wien): …eine »quasi-räumliche« »Tendenz«. Zur Umwendung des Raumes in Texten, Poetologien und Theorien der Wiener Gruppe
  • Roland Innerhofer (Universität Wien/ifk): »Abräumen von Sehgewohnheiten«. Friedrich Achleitner als Schriftsteller und Architekturkritiker
  • Szilvia Gellai (Universität Wien): Textile Architekturtexte. Materialstudien zu Hans Holleins Medien

16.00

  • Samuel Korn (Universität Kassel): Bau. Schrift für Architektur und Städtebau. Das Material ist die Massage
  • Sebastian Hackenschmidt (MAK): Ein Ende des Austrian Phenomenons: Der soziologische Turn der österreichischen Architektur in den 1970er Jahren

17.30

  • Abschlussdiskussion