Arendt | Nietzsche — Genealogien, Affinitäten, Differenzen
36. Internationaler Nietzsche-Kongress (Jahrestagung der Nietzsche-Gesellschaft)
Die Tagung möchte das Verbindende wie das Trennende im Denken und Schreiben von Hannah Arendt und Friedrich Nietzsche untersuchen. Verbunden sind ihre Werke in vielfältiger Hinsicht, historisch wie systematisch. Beide haben auf so unabhängige wie wirkmächtige Weise ihre eigene Zeit und die großen geistesgeschichtlichen Zusammenhänge reflektiert. Beide schöpften dabei aus ähnlichen Quellen, etwa der antiken Philosophie und Dichtung. Beide setzten sich mit Fragen von Herrschaft, Schuld und Ressentiment auseinander. Beide interessiert die Rolle des Erzählens für die Konstitution von Subjektivität und Kollektivität, beide setzten sich aber auch kritisch mit überhöhten Kunstansprüchen auseinander. Über das philosophische Werk von Martin Heidegger, Karl Jaspers und anderen Zeitgenossen lassen sich konkrete Rezeptionswege und intellektuelle Genealogien nachzeichnen.
Obwohl die Auseinandersetzung mit der Moderne beide intensiv beschäftigt hat, schreiben Arendt und Nietzsche vor dem Hintergrund völlig verschiedener historischer Erfahrungen. Differenzen zwischen ihren philosophischen und politischen Perspektiven, ihren Schreibweisen und ihrem Verhältnis zur Öffentlichkeit sind deshalb genauso in den Blick zu nehmen wie die Affinitäten. Untersuchungen zur Bedeutung Nietzsches für Arendt sind so willkommen wie Vergleiche, die zu wechselseitigen Erhellungen führen.