Vortrag
07.07.2026 · 16.30 Uhr

Eduardo Soares Neves Silva (UFMG): Was die Peripherie der Dialektik zeigt. Roberto Schwarz, Adorno und die Grenzen der immanenten Kritik

Ort: Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Besprechungsraum 2.36, Eingang Meierottostr. 8, 10719 Berlin
Organisiert von Falko Schmieder

Der Vortrag nimmt seinen Ausgang von einem Archivfund: einem brieflichen Austausch zwischen Roberto Schwarz und Theodor W. Adorno aus den Jahren 1961 und 1962, aufbewahrt im Theodor W. Adorno Archiv in Frankfurt am Main. Dieser scheinbar nebensächliche Briefwechsel wird zum Ausgangspunkt einer philosophischen Konstellation: Was bedeutet es, dass ein Denker aus der Peripherie des Kapitalismus – gebildet in der Tradition des Seminário sobre O Capital in São Paulo und in der Schule Antonio Candidos – die Dialektik Adornos sowohl produktiv aneignet als auch an ihre objektiven Grenzen stößt? Die These lautet, dass die periphere Erfahrung nicht bloß einen anderen Anwendungsfall der immanenten Kritik darstellt, sondern deren Korrektiv: Sie legt eine strukturelle Linearität frei, die der Dialektik Adornos inhärent ist – die stillschweigende Voraussetzung, dass die Peripherie die Schritte des Zentrums wiederholen werde oder könne. Der Vortrag entwickelt dieses Argument im Rückgriff auf Schriften von Schwarz sowie auf die Konstellation von Hegel, Marx und Kritischer Theorie, die im deutsch-brasilianischen Kontext neu konfiguriert wird. Das Thema bildet den Kern eines 2019 veröffentlichten Aufsatzes und wird hier im Licht neuerer Forschungen weiterentwickelt.

Respondenz: Pedro Mora Madrinan

Der Vortrag findet im Rahmen des Projekts Der dritte Rand: Hegels Rezeption in Brasilien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt, gefördert durch das Programm Probral CAPES-DAAD, in Kooperation zwischen dem ZfL und der Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG), Belo Horizonte.

 

Eduardo Soares Neves Silva ist Professor für Philosophie an der Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG) in Belo Horizonte und leitet dort u.a. die Forschungsgruppe Crítica e Dialética. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule (insbesondere Adorno und Horkheimer), der Sozial- und Politischen Philosophie, dem Marxismus, der Demokratietheorie sowie in Fragen der Ästhetik und Kulturkritik.

Pedro Mora Madrinan ist mit dem Dissertationsprojekt »Kritische Theorie an der Peripherie des Kapitalismus: Literarische Form und Widersprüche des Fortschritts im Werk von Roberto Schwarz« Doktorand an der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Exzellenzcluster »Temporal Communities« der FU Berlin.