Eva Geulen: Über den Mut
Vortrag bei den 41. Literaturtagen Lana
Mit Kants Übersetzung von sapere aude als »Habe Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen« wird Mut nicht nur zu einem Leitbild der Aufklärung, sondern erweist sich zunehmend als eine Bedingung moderner Existenz, die sich gegen eine unzuverlässige Welt behaupten muss. Aus dem Mut des Einzelnen wurden modern die Risikogesellschaft (Ulrich Beck), das »unternehmerische Selbst« (Andreas Reckwitz) und jüngst »high agency« (George Mack). Bis in die Ratgeber- und Therapieliteratur hinein wird Mut dabei als Stärke verstanden. Aber es gibt auch Denktraditionen, die andere Antworten auf die Frage geben, was Mut ist und heute bedeuten könnte. Besondere Aufmerksamkeit verdient Hannah Arendt, für die der Mut die politische Kardinaltugend war.
Die Literaturwissenschaftlerin Eva Geulen ist die Direktorin des ZfL, Vorstandsmitglied der Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlin und Professorin für europäische Kultur- und Wissensgeschichte am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.