Sandra Folie: Schwarze Perspektiven auf den KRRRAmpus: Zwischen strategischem Exotismus und exotisierender Aneignung
Vortrag im Rahmen der Austrian Studies Association Conference 2026 (ASA) in Salzburg, 28.–31.5.2026
Der Krampus hat in Salzburg und weiten Teilen Österreichs Tradition – in Krampusläufen, in sogenannten Passen und als unheimlicher Begleiter des Nikolaus. Immer wieder werden beide Figuren von rechten und konservativen Politiker*innen instrumentalisiert, die ihr selteneres Auftreten in Kindergärten als Verlust »christlichen Brauchtums« und als Ausdruck vermeintlicher »Überfremdung« deuten. Während der Nikolaus samt ›Schwarzer Pädagogik‹ aus pädagogischen Einrichtungen zunehmend verschwindet, erleben Perchten- und Krampusläufe – insbesondere bei jungen weißen Männern – seit den 2000er Jahren einen deutlichen Aufschwung, der häufig von Gewaltausschreitungen begleitet wird. Forscher*innen wie Matthäus Rest und Gertraud Seiser (Wild und Schön, 2016) führen diesen Boom auf eine nostalgische Sehnsucht nach als traditionell imaginierten, heteronormativen und ethnisch homogenen Ordnungen zurück.
In meinem Vortrag beschäftige ich mich mit gegenwärtigen BPoC-Perspektiven auf die Krampusfigur und ihrer Verflechtung mit verschiedenen Formen des Othering. Anhand zweier Beispiele österreichischer Künstlerinnen – Sudabeh Mortezais Spielfilm Joy (2018) und Nenda Neururers Rap-Song KRRRA (2025) – analysiere ich, wie darin Krampus-Bräuche und ihre teils rassistischen und sexistischen Codierungen irritiert, unterlaufen und neu gerahmt werden. Beide Arbeiten erzeugen Verfremdungseffekte, jedoch auf unterschiedliche Weise: In Joy erscheint die überraschend auftretende Passe aus Sicht zweier nigerianischer Zwangsprostituierter als irritierend und bedrohlich und wird dadurch auch für die Zuseher:innen zum »exotischen« Spektakel. In KRRRA hingegen wird der Krampus seinerseits als exotisierende, rassifizierende und sexualisierende Figur entlarvt – und schließlich angeeignet, wenn ein kleines Schwarzes Mädchen im Video androht, ihn zu »verspeisen«, und die erwachsene Nenda im Krampus-Kostüm rappt: »It’s me, bitches – I eat Krampala for breakfast.«
Die Komparatistin Sandra Folie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Schwarze Narrative transkultureller Aneignung: Literarische Akte des Konstruierens afroeuropäischer Welten und der Infragestellung europäischer Grundlagen.