Internationale Tagung
22.04.2021

Selbsttransformierendes Leben? Lukács und die Kritik des Kapitalismus, u.a. mit Patrick Eiden-Offe und Eva Geulen

Ort: online via Zoom

Internationale Online-Tagung des Lehrstuhl für Praktische Philosophie mit Schwerpunkt Politische Philosophie und Rechtsphilosophie und des Forschungsverbunds Normative Orders an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, u.a. mit einem Vortrag von Patrick Eiden-Offe und einem Kommentar von Eva Geulen

»Unsere Welt ist unendlich groß geworden und in jedem Winkel reicher an Geschenken und Gefahren als die griechische, aber dieser Reichtum hebt den tragenden und positiven Sinn ihres Lebens auf: die Totalität.«
Mit diesem Satz formuliert Georg Lukács in seiner Theorie des Romans eine Erfahrung die nicht zuletzt durch den Kriegsausbruch 1914 ausgelöst wird. Gegen die »kriegsbejahende Stellungnahme der Sozialdemokratie« und vieler Intellektueller seiner Zeit nahm der ungarische Philosoph dieses verheerende Ereignis und seine weit verbreitete Akklamation zum Anlass, eine doppelte Kritik, sowohl ästhetisch als auch sozial, zu entwickeln, die dem Lebensbegriff eine zentrale Rolle beimisst und gleichzeitig versucht, die Gefahren seiner Hypostasierung zu vermeiden. Diese Perspektive wurde in der Kritik der kapitalistischen Verdinglichung, die er einige Jahre später in Geschichte und Klassenbewußtsein vorstellte, weiterverfolgt und modifiziert. Dieses Buch, dessen Bedeutung für die Kritische Theorie nicht überbewertet werden kann, wurde wiederum oft als problematisch angesehen, weil es auf totalisierende Vorstellungen von menschlichem Leben und Geschichte angewiesen sei. Genau hier liegt jedoch das Interesse an einem solchen Werk für uns heute. In einer Zeit, in der die ethische Kritik des Kapitalismus, seine ontologischen Grundlagen und die problematischen Beziehungen zwischen Leben und Form wieder im Mittelpunkt der Debatten der Kritischen Theorie stehen, kann sich eine Neubewertung von Lukács’ Werk als bereichernd für diese intellektuelle Tradition erweisen.

Anmeldung zur Veranstaltung auf Zoom via lukacs.frankfurt2021@gmail.com.

zur Veranstaltungswebsite

Die Literaturwissenschaftlerin Eva Geulen ist die Direktorin des ZfL, Vorstandsmitglied der Geisteswissenschaftlichen Zentren Berlin und Professorin für europäische Kultur- und Wissensgeschichte am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin.

Der Germanist Patrick Eiden-Offe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZfL mit dem Projekt Georg Lukács: eine intellektuelle Biographie.

Programm

13.00–13.15
Einführung

13.15–13.45
Csaba Olay (Eötvös-Loránd-Universität Budapest): Lukács’ Early Conception of Reification in the Light of Recent Interpretations

13.45–14.15
Timothy Bewes (Brown University): Notes for a Hypothetical Theory of the Novel

14.15–14.30
Eva Geulen (ZfL/HU Berlin): Kommentar

14.30–15.00
Diskussion

15.00–15.30
Pause

15.30–16.00
Patrick Eiden-Offe (ZfL/University of Illinois Chicago): Revolution as a Way of Life: On the Experiment of Writing Lukács’ Life

16.00–16.30
Arthur Bueno (Goethe-Universität Frankfurt a.M.): The Experience of the Crisis: Reification and Emancipation as Life-Processes

16.30–17.00
Diskussion

17.00–17.30
Pause

17.30–18.00
Alberto Toscano (Goldsmiths, University of London): Life, Tragedy & Justice

18.00–18.30
Konstantinos Kavoulakos (Aristoteles-Universität Thessaloniki): Georg Lukács’ Early Critique of Everyday Life and his Theory of Reification

18.30–19.00
Diskussion