Vortrag & Gespräch
19.10.2026 · 19.00 Uhr

»… verhalte dich kritisch, gib‘ bloß nicht die Vernunft auf«

Ort: Helle Panke e.V. – Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin, Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin

Vortrag und Gespräch in der Reihe »Philosophische Gespräche« im Helle Panke e.V. mit Doris Maja Krüger, Moderation: Falko Schmieder

Im Februar und März 1954 musste der 1900 in Frankfurt am Main geborene Leo Löwenthal, der zwischen 1926/30 und 1949 für das Institut für Sozialforschung zunächst in Frankfurt, dann in Genf und ab 1934 in New York tätig gewesen war, der aber im Unterschied zu Max Horkheimer, Theodor W. Adorno und Friedrich Pollock nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht nach Europa zurückgekehrt war, sondern 1949 eine Tätigkeit bei dem der amerikanischen Regierung unterstellten Radiosender Voice of America aufgenommen hatte, sich erneut einer Sicherheitsbefragung unterziehen. Als Julius Spence, der das Verhör für das Office of Security der U.S. Information Agency durchführte, Löwenthal nach seinem Verhältnis zur Russischen Revolution fragte, bekannte dieser sich so entschieden zu seiner jugendlichen Begeisterung, dass Spence fast vom Stuhl gefallen sein soll. Auch in den 1970er und 1980er Jahren kam Löwenthal in Interviews und Gesprächen immer wieder auf die »weltkommunistisch-politische Enthusiasmuswelle« zu sprechen, mit der er die Revolution begrüßt hatte. Zugleich jedoch betonte er stets auch die Enttäuschung, die die Entwicklungen in der Sowjetunion und der kommunistischen Weltbewegung für ihn bedeuteten. Entsprechend verstand er seine Tätigkeit für die amerikanische Regierung auch nicht als »kompromittierend«, sie war für ihn Verpflichtung und Privileg.

Im Rahmen des Vortrags soll der Erfahrung von Krieg und Revolution nachgegangen werden, die Löwenthals politisches Engagement in den Anfangstagen der Weimarer Republik prägte und sich auch in seiner Arbeit für die amerikanischen Regierung zu Beginn des Kalten Kriegs Geltung verschaffte.

Kosten: 2 Euro

weitere Informationen

Doris Maja Krüger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Axel Springer-Lehrstuhl für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte, Exil und Migration an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). 2025 wurde sie mit einer Arbeit zum Leben und Werk Leo Löwenthals promoviert; derzeit bereitet sie die Publikation ihrer Dissertation vor. Zudem arbeitet sie an einer Edition des Briefwechsels zwischen Theodor W. Adorno und Leo Löwenthal, der im Rahmen der Nachgelassenen Schriften Adornos bei Suhrkamp erscheinen soll. 2025 gab sie das Buch Karl Marx in der Geschichte. Entstehung und Rezeption der Marx’schen Kritik heraus.

Der Kulturwissenschaftler Falko Schmieder leitet das Projekt Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland am ZfL.