17.03.2026

Call for Papers: »Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen« – ein Lexikon im Open Access

»Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen« – ein Lexikon im Open Access

Tagung, 22.–24.10.2026, Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

Eine methodisch innovative Begriffsgeschichtsforschung und ein Jahrhundert, das in seinen Grundbegriffen noch nicht systematisch und vergleichend für beide deutschen Staaten untersucht wurde: das sind die Ausgangspunkte des Projekts Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland.

Bei diesem Lexikon handelt es sich um ein interdisziplinäres Forschungsunternehmen, in dem Geschichts-, Kultur-, Sozial-, Sprach-, Medien- und Naturwissenschaften zusammenwirken, um die für den politisch-sozialen Diskurs im Deutschland des 20. Jahrhunderts zentralen Begriffe in ihrem historischen Wandel zu untersuchen. Für mehr als 30 solcher Begriffe liegen bereits die Ergebnisse vor (darunter Demokratie, Energie, Klima, Migration). Es gehört damit schon jetzt zu den Forschungsquellen und Orientierungshilfen für die geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die sich für die Vielschichtigkeit, Umstrittenheit und historischen Dimensionen ihrer Begriffe interessieren. Das Lexikon erscheint sukzessive im Open Access im Schwabe Verlag und nach der online-Veröffentlichung aller Artikel in fünf Bänden auch im Druck.

Die erste Projektphase hat gezeigt, welche Möglichkeiten eine im Vergleich zu den Geschichtlichen Grundbegriffen (GG) oder auch dem Historischen Wörterbuch für Philosophie fortentwickelte Begriffsgeschichtsforschung eröffnet. Große digitalisierte Korpora, darunter sämtliche Reichs- und Bundestagsprotokolle, werden im Projekt mithilfe digitaler Tools erschlossen. Die Bedeutungswandel, semantischen Brüche und Innovationen der maßgeblichen und umstrittenen Begriffe können so für den Verlauf eines ganzen Jahrhunderts auf breiter Quellengrundlage sichtbar gemacht werden. Gezeigt hat sich zugleich, dass die digitale Begriffsgeschichtsforschung die ›klassischen‹ hermeneutischen Verfahren nicht ersetzen kann, sondern sie ergänzt.

Am Beginn der zweiten Projektphase soll eine Tagung stehen, die ein breites Feld an Grundbegriffen zur Diskussion stellt mit dem Ziel, Autor*innen für die entsprechenden Lexikonartikel zu gewinnen.

Dazu gehören sowohl Begriffe, die schon in den GG untersucht wurden, aber auch für das 20. Jahrhundert und seine gesellschaftlichen Dynamiken prägend geblieben sind wie Arbeit/Arbeiter; Entwicklung/Evolution; Faschismus, Gleichheit; Imperialismus; Industrie; Kommunismus; Proletariat; Reform/Reformation; Sozialismus; Staat oder Würde.

Auch im Vergleich mit den GG ›neue‹ Begriffe sollen behandelt werden, die für die gesellschaftliche Selbstverständigung im politisch so wechselhaften 20. Jahrhundert unverzichtbar waren wie Deutsch/Deutschland; Klasse; Masse; Pluralismus oder Totalitarismus.

Drittens schließlich wollen wir politisch aufgeladene Begriffe aufnehmen, die für einen kulturwissenschaftlichen Zugriff prädestiniert sind, da sie zwischen mehreren Disziplinen zirkulierten und vielfältige alltagskulturelle Felder miteinander verbinden wie Erinnerung/Gedächtnis; Geschlecht/Gender; Kultur; Leben; Leistung; Natur; Raum oder Schuld.

Von den Tagungsteilnehmer*innen wird nicht erwartet, dass sie bereits einen fertigen Lexikonbeitrag vorstellen. Auch setzen wir nicht voraus, dass Ihnen die Methoden digitaler Begriffsgeschichtsforschung bereits vertraut sind. Erwartet werden konzeptionelle Referate zu den ausgeschriebenen Begriffen, die sichtbar machen, welche Bedeutung dem jeweiligen Begriff in den politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen Deutschlands im 20. Jahrhundert zukam, ob und unter welchen politischen Bedingungen er Konjunkturen erlebte und welches Streitpotential mit ihm verbunden war.

Bewerbungen mit einem aussagekräftigen Exposé im Umfang von 2–4 Seiten zu einem der genannten Begriffe und ein kurzes CV sind bitte bis zum 31. Mai 2026 zu richten an: Dr. Falko Schmieder, schmieder@zfl-berlin.org

Für eingeladene Referent*innen werden die Unterkunfts- und Reisekosten übernommen.